Applaus trotz Minus

Neuer Werder-Präsident: Hubertus Hess-Grunewald. Bild: dpa

Zum dritten Mal in Folge hat Werder Bremen Verlust gemacht. Das Polster aus den Champions-League-Jahren wird beim abstiegsbedrohten Club am Ende der Saison fast aufgebraucht sein. Trotzdem applaudieren die Werder-Mitglieder.

Abstiegsplatz, Derby-Niederlage am Vortag und das dritte dicke Defizit in Folge - bei Werder Bremen ist das aber kein Grund für Protest. Nur ein einziger Kritiker fand sich bei der Mitgliederversammlung am Montagabend in der Werder-Halle, die so heruntergewirtschaftet wirkt wie die Bilanz des abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten. Ansonsten herrschte trotz düsterer Aussichten eine Harmonie, die selbst den neuen Aufsichtsratschef Marco Bode verblüffte.

"Es darf bei uns ruhig ein bisschen emotionalere Kritik geben", sagte der erstaunte Bode. Die Vereinsmitglieder spendeten sogar Applaus, nachdem Klaus Filbry als Vorsitzender der Geschäftsführung die Bilanz der GmbH & Co KGaA präsentiert und einen neuerlichen Verlust von rund 9,8 Millionen Euro erklärt hatte.

Mehr als 30 Millionen Euro hat der nicht nur sportlich angeschlagene Club in drei Jahren verloren. Das Eigenkapital-Polster aus den fetten Champions-League-Jahren wird beim Vorletzten der Tabelle am Ende der Saison wahrscheinlich komplett aufgebraucht sein. Klaus-Dieter Fischer, der am Montag ausgeschiedene Präsident, hatte das erneute Minus in der laufenden Saison bereits vor einigen Wochen angedeutet. Filbry wies darauf hin, dass ja noch zusätzliche Einnahmen möglich seien, etwa im DFB-Pokal. Es können aber auch noch zusätzliche Ausgaben auf den Club zukommen, vor allem bei den geplanten Spielerkäufen in der Winterpause. So groß ist die Not, dass Werder dafür sogar ein bisheriges Tabu brechen und Schulden machen würde. "Wir werden das eine oder andere Risiko eingehen", kündigte Filbry im Beisein des neuen Werder-Vorsitzenden Hubertus Hess-Grunewald, ein 54-jähriger Jurist, an.

Das einzige, was nicht zum Bild der netten Werder-Familie passte, war eine offenbar gescheiterte Intrige gegen das Aufsichtsratsmitglied Willi Lemke. Fischer berichtete, dass jungen Mitgliedern Geld dafür geboten worden sei, "wenn sie gegen Willi Lemke protestierten".
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