Auch ein Tor für den Papa

Die entscheidende Szene: Neven Subotic (hinten) bringt Franck Ribéry zu Fall - Elfmeter. Arjen Robben verwandelte den Strafstoß zum 2:1 für die Bayern. Bild: dpa

Die Bayern und Borussia Dortmund liefern sich ein Spitzenspiel wie in guten alten Zeiten. Zum Matchwinner wird einer, der lange ein Borussen-Trauma hatte. Und einer denkt in all dem Trubel an jemanden, der ihm viel wichtiger ist als Fußball.

München. Krzysztof Lewandowski wäre so stolz auf seinen Sohn gewesen. Wenn er dessen tolle Entwicklung mitgekriegt hätte. "Das war auch ein Tor für meinen Papa. Er guckt von oben zu", sagte Robert Lewandowski nachher mit Tränen in den Augen. Das Tor zum 1:1 (72.) beim 2:1 des FC Bayern gegen Borussia Dortmund im Bundesliga-Spitzenspiel widmete er Lewandowski Senior. Vor genau zehn Jahren war der an Krebs gestorben. Den Aufstieg seines Sohnes zu einem der weltbesten Stürmer und Bayern-Star hatte er nicht mehr miterleben dürfen.

Endgültig in Schockstarre

Der Mann, der Lewandowski zu dem gemacht hat, was er heute ist, war an diesem Samstagabend auch emotional fix und fertig: "Daran haben wir zu knabbern", jammerte BVB-Coach Jürgen Klopp Das 1:2 beim FC Bayern, die fünfte Pleite in Folge, der Absturz auf Abstiegsplatz 17, hat in Dortmund endgültig eine Schockstarre und auch ein bisschen Hilflosigkeit ausgelöst. Dabei hatten die Borussen in der ersten Hälfte eine vorzügliche Leistung abgeliefert, hatten enormen Anteil daran, dass das Spitzenspiel auch dieses Prädikat verdient hatte. "Für die erste Halbzeit hätten wir etwas verdient gehabt, für die zweite nicht", urteilte Klopp wohl ganz richtig. Mit der Leistung der ersten 45 Minuten hätten die Borussen an diesem Tag wohl jeden Gegner wie in früheren Tagen zerlegt. Aber da standen auf der anderen seite diese Bayern, die durch den Rückstand (31./Marco Reus) gereizt, in der zweiten Hälfte wie wild anrannten. "Wir sind dran geblieben und haben uns belohnt", meinte Thomas Müller. Die Bayern ließen sich auch nicht von ihrer schlechten Chancenverwertung entmutigen. "Ärgerlich", fand Keeper Manuel Neuer dennoch, dass seine Jungs fahrlässig mit den Chancen umgingen.

Die Bayern gewannen dieses enorm schnelle Spiel auch, weil sie den Spielverlauf besser lesen konnten. Die verletzungsbedingte Auswechslung von Mats Hummels zur Pause - er muss nach einer Bänderdehnung im rechten Fuß drei Wochen pausieren - nutzten die Münchner durch die Einwechslung von Franck Ribéry. "Franck hat uns sehr geholfen", erklärte Bayern-Trainer Pep Guardiola. "Er sollte bei Subotic spielen und seine Stärke im Eins-zu-Eins-Spiel ausspielen." Ribéry provozierte dann auch einen Elfmeter nach einem Subotic-Aussetzer. Der Serbe hatte den Franzosen im Strafraum einfach nicht losgelassen.

Und somit machte bei den Bayern der französische Dribbelkünstler den holländischen Dribbelkünstler zum "Mann des Spiels". Arjen Robben hätte diesen Titel auch so für sein Engagement verdient gehabt, aber er hatte auch noch die Nerven, sich den Ball zum Elfmeter hinzulegen: "Thomas Müller war ja draußen", sagte Robben. Und klar, ein bisschen Druck sei schon da gewesen. "Das gehört dazu." Ein bisschen Druck? Im Mai 2012 hatte er gegen BVB-Torwart Roman Weidenfeller im Meisterschaftsendkampf einen Elfmeter verschossen, die Bayern konnten den Titel nahezu abschreiben. Nur Tage später scheiterte Robben im Champions-League-Finale vom Elfmeterpunkt. "Ich war überzeugt, das Ding reinzumachen", sagte er am Samstag ganz cool. Sein Borussen-Trauma hatte der 30-Jährige schon mit dem Siegtreffer im Champions-League-Finale von London besiegt.

Mit dem 2:1 (85.) war die Borussia endgültig bedient. Bayern-Häme gab es für den fürchterlich gebeutelten Gegner nicht. "Wir haben gegen die zweitbeste deutsche Mannschaft gespielt", wollte sich Manuel Neuer vom Tabellenstand der Borussen nicht irritieren lassen. Mitleid war aber auch nicht angesagt. "Nein, das haben wir nicht mit den Dortmundern", winkte Robben ab. "Das hätten sie mit uns auch nicht."
Weitere Beiträge zu den Themen: FC Bayern (6867)Lea (13792)November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.