Auch Nationalelf unter Schock

Manuel Neuer hält sich im Spiel gegen Gladbach den Ellbogen, es ist aber das Knie: Bayern-Torwart Manuel Neuer fällt gegen Australien wegen einer Schleimbeutelentzündung aus. Bild: dpa

Der tragische Flugzeugabsturz in Frankreich drückt auch bei den Fußball-Weltmeistern auf die Stimmung. Der Test gegen Australien gerät zur Nebensache - auch wegen der sportlich wichtigeren Aufgabe in Georgien. Joachim Löw zeichnet einen schonungslosen Ist-Zustand.

Die oberste Devise von Joachim Löw ist klar: Kein Risiko gegen Australien! Der Bundestrainer wünscht sich zwar einen erfolgreichen Probelauf gegen den Asienmeister auf dem Betzenberg, "oberste Priorität" genießt für ihn aber die folgende Pflichtaufgabe des Weltmeisters in der EM-Qualifikation. Die Vorbereitung stand am Dienstag in Frankfurt aber auch bei der Nationalmannschaft unter dem Eindruck des fürchterlichen Flugzeugunglücks in Frankreich mit vielen deutschen Opfern. "Es macht mich traurig und wahnsinnig betroffen", kommentierte Löw.

Eine Schweigeminute

Auch beim Abschlusstraining auf der "kleinen Kampfbahn" an der Frankfurter Commerzbank-Arena war die Stimmung nach den Informationen über den Absturz der Germanwings-Maschine mit vielen deutschen Staatsbürgern gedämpft. "Wir sind auch tief betroffen und fassungslos. Unsere Gedanken gelten den Angehörigen und Opfern", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Das DFB-Team wird in Kaiserslautern mit Trauerflor spielen und eine Schweigeminute abhalten.

An der sportlichen Devise beim Jahresauftakt des Weltmeisters gegen Australien am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) in Kaiserslautern soll festgehalten werden. Die Zuschauer wollten natürlich "gute Spiele und Ergebnisse sehen", sagte Löw. Viel entscheidender seien aber aus sportlicher Sicht drei Punkte am kommenden Sonntag in Georgien, mahnte Löw: "Sonst geraten wir in der EM-Qualifikation noch viel mehr unter Zugzwang." Entsprechend wird der 55-Jährige seine 23 Akteure auf die zwei Partien verteilen und die Kräfte wohlüberlegt dosieren. "Ich möchte gewährleisten, dass alle Spieler am Sonntag in Georgien körperlich und geistig in einem guten Zustand sind", betonte Löw.

Nach der Teamsitzung am Vormittag erfuhren Trainer und Spieler vom Flugzeugabsturz in Frankreich. "Es gibt einem persönlich ein ganz schlechtes Gefühl, weil es keine Chance gibt, dass Menschen überleben", sagte Löw sichtlich getroffen von der Tragödie. Die Stimmung in Kaiserslautern wird gedrückt sein, wenn sich der Weltmeister nach vier Monaten Winterpause gegen die aufstrebenden Australier erstmals wieder vor eigenem Publikum präsentiert. Entgegen der üblichen Praxis gab Löw schon vor dem Abschlusstraining am Dienstagabend einige personelle Fingerzeige für das Warm-up im bislang nicht ausverkauften Fritz-Walter-Stadion.

Weidenfeller im Tor

Der leicht angeschlagene Torhüter Manuel Neuer wird wegen einer Schleimbeutelentzündung im Knie pausieren, verkündete Löw. "Wir wollen nichts riskieren", sagte Löw. Für einen Einsatz von Neuer in Tiflis gegen Georgien bestehe keine Problematik, "wenn man jetzt vorsichtig vorgeht". Im Tor plant Löw auf dem Betzenberg nach Trainingseindrücken mit dem Ex-Lauterer Roman Weidenfeller.

Weitere Vielspieler wie Toni Kroos, Thomas Müller oder Jérome Boateng, die noch am Sonntagabend für ihre Vereine im Einsatz waren, sollen ebenfalls den Akku aufladen. "Ich bin durchaus bereit, gegen Australien das eine oder andere zu probieren", kündigte Löw an. Bis zu sechs Auswechslungen kann er vornehmen. Einsatzgarantien stellte er den lange verletzten Rückkehrern Holger Badstuber und Ilkay Gündogan aus. Bastian Schweinsteiger soll das Team zumindest für einen Teilzeiteinsatz als Kapitän anführen.
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