Auf der Jagd nach dem vierten WM-Titel

Tony Martin ist richtig motiviert und will heute WM-Gold holen Bild: dpa

Bei der Tour hat er sich mit dem ersten Gelben Trikot seiner Karriere einen großen Traum erfüllt. Jetzt kommt die WM mit dem eingeplanten vierten Titel - dann Olympia. Im Anschluss an die Titelkämpfe inspiziert Martin den Zeitfahr-Kurs in Rio de Janeiro.

Am 7. Juli hatte sich Tony Martin mit dem Gelben Trikot in der "Hölle des Nordens" einen seiner größten Sportträume erfüllt. Am Mittwoch will er in Richmond/Virginia mit dem vierten WM-Titel im Zeitfahren seine Saison erfolgreich abrunden und den Rekord des Schweizers Fabian Cancellara einstellen. "Ich will auf jeden Fall die Goldmedaille holen und das WM-Trikot zurück", sagte Martin vor der 53 Kilometer langen Herausforderung.

Aber der 30 Jahre alte Wahlschweizer, der die Tour de France zwei Tage nach seinem Triumph in Cambrai mit einem gebrochenen Schlüsselbein verlassen musste, will am Mittwoch besonders auf der Hut sein. "Ich warne davor, diese Goldmedaille schon als selbstverständlich anzusehen, weil Titelverteidiger Wiggins und Cancellara fehlen. Die Konkurrenz ist sehr, sehr stark", meinte Martin, bescheinigte sich selbst aber eine perfekte Verfassung und beste Aussichten: "Ich bin gut vorbereitet. Die Strecke kommt mir vom Profil und der Länge entgegen. Ich hatte sie mir hügeliger vorgestellt."

Als Hauptkonkurrenten machte er Rohan Dennis, Tom Dumoulin und Taylor Phinney aus. Der Australier Dennis hatte zum Auftakt am Sonntag mit seinem BMC-Team wieder WM-Gold im Kampf gegen die Uhr geholt und der Martin-Equipe Etixx-Quick Step eine empfindliche 12-Sekunden- Niederlage beigebracht. Der Niederländer Dumoulin war die große Vuelta-Überraschung und hatte maßgeblichen Anteil am fünften Platz seiner Alpecin-Giant-Mannschaft. BMC-Profi Phinney feiert vor eigenem Publikum nach 14-monatiger Verletzungspause gerade ein umjubeltes Comeback.

Das verpasste Gold bei der vergangenen WM in Ponferrada sei eine "gute Lehrstunde" gewesen, meinte Martin in Richmond. "Im Nachhinein war ich froh über diesen Prozess. Die Fehler in der damaligen Vorbereitung haben wir nicht wiederholt", sagte Martin, ohne ins Detail zu gehen. Er bedauere, dass er nicht direkt Revanche gegen Stunden-Weltrekordler Bradley Wiggins nehmen kann. Der britische Sir und Toursieger von 2012 hatte im April seine Straßen-Karriere beendet und konzentriert sich ausschließlich auf die Bahn-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Die Stadt an der Copacabana ist auch für Martin das letzte große Traumziel seiner Karriere. "Olympia steht jetzt mittelfristig im Mittelpunkt. Rio ist noch mal größer als eine WM", erklärte der Zeitfahr-Spezialist, der in London - damals auch gesundheitlich nach einem bösen Toursturz noch etwas angeschlagen - Silber hinter Wiggins geholt hatte.

Am Sonntag, unmittelbar nach dem Straßenrennen zum WM-Finale, setzt sich Martin - zusammen mit Lisa Brennauer und Mieke Kröger - in den Flieger Richtung Rio. "Dort schaue ich mir die Zeitfahrstrecke an", berichtete der Lausitzer, der in Richmond entgegen sonstigen Gepflogenheiten nur "von einer sehr übersichtlichen" persönlichen Fangemeinde angefeuert wird.
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