"Auf einem guten Weg"

Jacob Heidtmann lächelt zufrieden. Schließlich war er neuen deutschen Rekord über 400 Meter Lagen geschwommen. Bild: dpa

Das deutsche Schwimmen macht Fortschritte, ist aber als Team noch lange nicht Weltspitze. Endlich wieder Gold, doch bei keiner WM seit der Wiedervereinigung gab es weniger Medaillen. Chefcoach Lambertz hat die Vision einer Millionen-Prämie für deutsche Olympiasieger.

Deutscher Rekord für einen 20-Jährigen, ein achtbarer Staffelabschluss - die deutschen Schwimmer starten auch ohne eine Medaillen-Überraschung zum WM-Ausklang ermutigt in das Olympia-Jahr. Nach den frustrierenden Wettbewerben der WM 2013 und bei Olympia 2012 verbesserte das Team um Weltmeister Marco Koch in Kasan sein Standing in der Schwimm-Welt, wenngleich die Spitze insgesamt noch weit weg ist. Neben dem ersten deutschen Gold seit sechs Jahren durch Koch steuerten in Kasan Paul Biedermann bei seiner Abschieds-WM und eine nicht-olympische Staffel die Medaillen im Becken bei.

"Wir sind auf einem guten Weg, es läuft alles super", erklärte Champion Koch. "Der Kern des Teams wird nächstes Jahr in Rio starten, es macht riesig Spaß zusammen." Gleich "super viel Spaß" hatte Jacob Heidtmann am WM-Schlusstag in seinem 4:12,08 Minuten langen Rennen über 400 Meter Lagen. "Der Wunsch war irgendwann mal einen deutschen Rekord zu schwimmen. Dann bei einer WM - supergeil", schwärmte er.

Der Berliner Robert Seibt war 1994 als zunächst letzter Deutscher in einem Finale über 400 Meter Lagen geschwommen. Da war Heidtmann nicht einmal auf der Welt. Mysteriös: China-Star Sun Yang fehlte zum Schluss überraschend. Er habe sich mit seinem Herzen nicht wohlgefühlt, sagte er bei einer Pressekonferenz.

Erfolgreichste Nation war auch ohne weiteren Sieg von ihm China vor den USA um die mit fünf Titeln in Kasan erfolgreichste Athletin Katie Ledecky. Rekord-Olympiasieger Michael Phelps - in der Heimat schneller als die Weltmeister - will in Rio wieder das Tempo vorgeben.

Die deutsche Lagen-Staffel über 4 x 100 Meter musste sich am Sonntag in 3:32,16 Minuten beim Sieg der USA (3:29,93) mit Rang sieben begnügen. Jan-Philip Glania, Hendrik Feldwehr, Steffen Deibler und Christoph Fildebrandt schwammen ordentliche Einzelzeiten. Als es um eine Schulnote für das deutsche Gesamtabschneiden ging, lachten Chefbundestrainer Henning Lambertz und Leistungssportdirektor Lutz Buschkow zufrieden. "Wir sind in vielen Disziplinen näher dran als angedacht, ohne dass man direkt die Wünsche in den Himmel wachsen lässt", erklärte Lambertz. Er erneuerte seine Vision von einer Prämie in Höhe von einer Million für einen deutschen Olympiasieger.

Dank der auch ohne Rekordchampion Thomas Lurz weiter starken Freiwasserschwimmer (1-1-2) reichte es trotz enttäuschender Springer zum Minimum von sieben WM-Plaketten. Weniger gab es aber bei keiner WM seit der Wiedervereinigung, Platz zwölf im Medaillenspiegel. Rio bleibt eine große Herausforderung: Vier bis sieben Medaillen lautet die Zielvereinbarung, die aber vor den Rücktritten von Britta Steffen und Lurz getroffen wurde. Ein Jahr vor Olympia zeichnet sich aber ein besseres Abschneiden ab als in London. Damals bewahrte nur das Lurz-Silber den Verband vor einer historischen Pleite.
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