Außenseiter-Sieg in den Alpen

Die reizvolle Landschaft konnten die Fahrer am Montag nicht genießen. Auf der ersten Alpen-Etappe, die der Spanier Ruben Plaza Molina gewann, war höchste Konzentration gefragt. Bild: dpa

Ein spektakulärer Sturz des Briten Geraint Thomas, ein Außenseiter-Sieg des Spaniers Ruben Plaza Molina und ein kleiner Nadelstich gegen Spitzenreiter Christopher Froome durch den Vorjahressieger Vincenzo Nibali kennzeichneten die erste Alpenetappe. Der Berliner Simon Geschke fuhr in Gap auf Rang vier.

Im Ziel konnte Geraint Thomas nach seinem spektakulären Sturz auf der 16. Etappe schon wieder ein wenig lächeln. "Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Es war eine enge Kurve, ich hab' mich versteuert", sagte der Helfer von Spitzenreiter Christopher Froome, nachdem er auf der halsbrecherischen Abfahrt bei Tempo 75 für einen der dramatischsten Momente bei der 102. Tour de France gesorgt hatte.

Für die sportlichen Schlagzeilen sorgte Außenseiter Ruben Plaza Molina als Solosieger, während die Favoriten um Spitzenreiter Froome den anstehenden Ruhetag mit Bummeltempo etwas vorverlegt hatten und das Ziel mit 18:12 Minuten Rückstand erreichten. Etappenvierter wurde der Berliner Simon Geschke.

Glück für Thomas

Als die Ausreißer längst im Ziel waren, ereignete sich die spektakulärste Szene des Tages. Thomas war auf der gefährlichen Abfahrt vom Col de Manse die Böschung hinunter gestürzt, den Zuschauern stockte der Atem. Aber der Brite stieg sofort wieder auf sein Rad und setzte seine Fahrt fort. "Ein bisschen Kopfschmerzen, aber sonst alles okay" - mehr blieb bei Thomas vorerst nach dem Unfall nicht zurück. "Er ist ein harter Junge, ich habe keinen Zweifel, dass er in den Alpen wieder bereit sein wird", sagte Froome über seinen Teamkollegen, der vom fünften auf den sechsten Gesamtrang zurückfiel.

Nur auf den letzten 20 Kilometern mit dem Schlussanstieg und der gefährlichen Abfahrt wurde es für Froome noch einmal hektisch. Aber der kleine Nadelstich durch Vorjahressieger Vincenzo Nibali tat dem souveränen Spitzenreiter nicht weh. Der Italiener, der auf der Abfahrt attackierte, verringerte seinen Rückstand auf Froome auf 7:49 Minuten. "Jetzt kommen noch vier ernsthafte Etappen - das Rennen ist definitiv noch nicht vorbei", sagte Froome und sehnt sich nach dem Tour-Ende und dem zweiten Sieg nach 2013. In der Gesamtwertung liegt Froome 3:10 Minuten vor dem Kolumbianer Nairo Quintana.

Der 35 Jahre alte Plaza Molina hatte sich am letzten Anstieg 18 Kilometer vor dem Ziel aus einer 23 Fahrer starken Spitzengruppe abgesetzt. Der Spanier widerstand den Verfolgern, allen voran Peter Sagan. Der Mann im Grünen Trikot riskierte auf der Abfahrt alles, aber für Sagan blieb wieder nur der zweite Platz. Die Franzosen nennen den Slowaken in Anspielung an seine inzwischen fünf zweiten Plätze bei der 102. Tour "Monsieur Deuxième". Seine nervtötende Bilanz seit seinem letzten Tour-Etappensieg am 5. Juli 2013: zehnmal Zweiter, viermal Dritter.

Froomes Ärger über den unappetitlichen Urin-Angriff am Samstag ist inzwischen verraucht. Trotzdem ärgern den Briten die ständigen Verdächtigungen. "Die Wild-West-Zeiten der Tour von vor 10 oder 15 Jahren sind vorbei. Deshalb sollten die Fahrer nicht mehr mit den selben Verdächtigungen verfolgt werden - der Radsport hat sich gewandelt", unterstrich der von Dauer-Misstrauen begleitete Träger des Gelben Trikots.
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