Bader beim Club nicht mehr zu halten

Miso Brecko verteidigt künftig in Nürnberg. Bild: dpa

Lange hatte sich diese Trennung abgezeichnet, nun ist sie perfekt. Martin Bader, zuletzt das Gesicht des 1. FC Nürnberg, ist seinen Posten als Sportvorstand beim Zweitligaclub demnächst los.

Nach einem einjährigen Hickhack um seine Person ist die Ära von Martin Bader beim 1. FC Nürnberg in Kürze Geschichte. Der umstrittene Sportvorstand muss seinen Platz zum 1. Oktober räumen, soll aber bis dahin zumindest offiziell noch die Tagesgeschäfte beim Fußball-Zweitligisten führen. "In den vergangenen Wochen war der Druck in der Öffentlichkeit für den Verein und meine Person belastend", erklärte der 47-Jährige am Donnerstag in einem Statement, in dem die Franken in aller Breite auch noch mal Baders Verdienste für den Club herausstellten. Sportlicher Höhepunkt in elfeinhalb Bader-Jahren beim FCN war der Gewinn des DFB-Pokals 2007.

Die Trennung hatte sich lange abgezeichnet, sie kommt allerdings zu einem überraschenden Zeitpunkt. Baders persönlicher Abstieg beim fränkischen Club begann in der Krisensaison 2013/14, als die Nürnberger in der Bundesliga eine beispiellose Negativserie mit null Siegen aus den ersten 17 Bundesligaspielen aufstellten. Bader reagierte zunehmend dünnhäutig auf unangenehme Fragen. Im Umfeld wurde er für seine gescheiterte Einkaufspolitik verantwortlich gemacht, zunehmend gar angefeindet. "Wir bedauern die Entwicklung außerordentlich", sagte Aufsichtsratschef Thomas Grethlein nun.

Über ein Jahrzehnt arbeitete Bader bei den Nürnbergern, zunächst als Sportdirektor, nach einer Satzungsänderung dann auf der neu geschaffenen Position eines mächtigen Sportvorstandes. Nach dem Rücktritt von Kultpräsident Michael A. Roth vor sechs Jahren verkörperte der Manager wie kein anderer in der Öffentlichkeit das Bild seines Vereins. Bader prägte den Club, verbesserte die Infrastruktur und hatte großen Anteil an der Professionalisierung.

Bader habe den Verein "in ganz vielen Bereichen nach vorne gebracht", kommentierte Grethlein. In jüngster Vergangenheit allerdings gehörten "Bader raus"-Plakate zum festen Bild in der Nürnberger Arena. Schon vor einem Jahr stand der arg kritisierte Bader unmittelbar nach dem Bundesliga-Abstieg vor dem Aus, durfte aber auch wegen mangelnder Alternativen nochmals den sportlichen Neuanfang planen.

Die Querelen gipfelten im September 2014 in einer komödienhaften Darbietung, als der Aufsichtsratsvize Günther Koch vor Fernsehkameras unverhohlen Baders Rücktritt forderte und sich kurz darauf von seinem damaligen Chef Klaus Schramm - ebenfalls in aller Öffentlichkeit - "vereinsschädigendes Verhalten" vorhalten lassen musste. Koch sitzt zwar noch im Aufsichtsrat, ist seinen Vize-Posten aber inzwischen los. Schramm ist sogar ganz draußen aus dem Kontrollgremium - so wie Bader bald auch aus dem Nürnberger Vorstand.
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