Bayern lockt Mega-Vorsprung

Um die Profis des VfL Wolfsburg gegen Bayern München nicht noch einmal zu sehr mit der Trauer um Junior Malanda zu konfrontieren, soll am Freitag geklatscht statt geschwiegen werden. Die Rekordjäger aus München stehen auch ohne Ribéry vor einem Meilen-stein zum Titel.

Für den VfL Wolfsburg ist es gleich in doppelter Hinsicht das schwierigste Match des Jahres, den FC Bayern lockt der nächste Meisterschritt. "Wir wissen, wie wichtig die ersten zwei Spiele der Rückrunde sind. Wenn wir in der Lage sind, diese zu gewinnen, dann können wir einen großen Schritt in Richtung Titelverteidigung machen", betonte Trainer Pep Guardiola vor dem Duell beim bereits um elf Punkte distanzierten Tabellenzweiten. Von einer Vorentscheidung auf dem Weg zum 25. Meistertitel spricht bei den ungeschlagenen Bayern aber keiner, von dem "Geschwätz" und dem "Käse" einer Saison ohne Niederlage wollte Sportvorstand Matthias Sammer nichts wissen.

Erst einmal wird der Fußball am Freitag (20.30 Uhr/ARD und Sky) weit in den Hintergrund rücken. Die Wolfsburger werden gegen die Münchner Rekordjäger im Spitzenspiel zum Rückrundenauftakt mit vielen Emotionen an den tragischen Unfalltod von Junior Malanda erinnert. "Ich hoffe, dass wir dem auch gerecht werden können", sagte VfL-Coach Dieter Hecking angesichts der Brisanz vor dem Schlagerspiel gegen den schier übermächtigen Spitzenreiter. Hecking versuchte dies gar in Motivation umzuwandeln: "Junior würde sich freuen, wenn wir die Bayern schlagen."

Eine Minute klatschen

"Wir haben uns viele Gedanken gemacht und mit den Fans ausführlich gesprochen. Gemeinsam ist man dann zur Entscheidung gekommen, nicht eine Minute ruhig zu sein. Es soll an den Stil der Trauerfeier in Belgien angeknüpft werden: Es wird eine Minute geklatscht", sagte VfL-Sportchef Klaus Allofs und erinnerte an die Gospeleinlagen beim Trauergottesdienst in Brüssel.

Münchens Sportvorstand Sammer glaubt ohnehin, dass die Wolfsburger ab der ersten Minute für Junior Malanda "fighten" - "Wir aber auch." Bei aller Anteilnahme werde es letztlich nach dem Anpfiff kein anderes Spiel werden. "Wir starten den zweiten Teil der Saison, große Spiele kommen", betonte Bayerns Mittelfeldchef Xabi Alonso.

Die Liga dürfte sich im Falle eines VfL-Erfolges sicher über einen Hauch mehr an Spannung in der Rückrunde freuen, auch wenn der Vorsprung der Münchner selbst im dem Fall immer noch acht Punkte betragen würde. "Viele werden uns die Daumen drücken, dass wir doch mal gegen die Bayern gewinnen können", meinte Hecking und äußerte Zuversicht: "Wir sehen unsere Chance. Wenn wir alles abrufen, sind wir ein Gegner, der ihnen alles abverlangen wird".

Wie eine Drohung

Zudem muss der in dieser Saison noch unbesiegte Tabellenführer auf Franck Ribéry und Rafinha verzichten, deren Verletzungen Sammer aber als "Kleinigkeit" bezeichnete. Trotz der Verletzungen klangen die Worte aus München schon wieder wie eine Drohung für die Liga. "Wir haben eine sehr gute Vorrunde gespielt, aber noch nichts gewonnen. Wir wollen unser Spiel noch ein Stück weit mehr verbessern", meinte Bastian Schweinsteiger, dessen Team auch Rekorde jagt: 29 Saisonsiege oder die bisherige Bestmarke von 49 Rückrundenpunkten gilt es etwa zu schlagen. Auch elf Punkte Vorsprung sind der größte Vorsprung eines Teams nach einer Hinserie. Hoffnung für die Liga gibt es dennoch: Andererseits sind elf Punkte nämlich zugleich auch der größte Abstand, der von einem Team jemals aufgeholt wurde: Vom VfL Wolfsburg in der Meistersaison 2008/2009.
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