Blatter jubelt, Prinz gibt auf

Uefa-Präsident Michel Platini (links) tröstet nach der Wahl den Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Bild: dpa

Joseph Blatter bleibt auch in der größten Krise der Fifa für vier weitere Jahre Weltverbands-Präsident. Der Schweizer wird beim Kongress für eine fünfte Amtszeit gewählt. Im ersten Wahlgang bekommt er jedoch nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit.

(dpa) Trotz des größten Skandals der Fifa-Geschichte geht Joseph Blatter in seine fünfte Amtszeit als Präsident des Fußball-Weltverbands. Der 79 Jahre alte Schweizer erhielt am Freitag beim Fifa-Kongress mit 133:73 Stimmen im ersten Wahlgang gegen seinen einzigen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein zwar nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Der Jordanier zog jedoch vor einem möglichen zweiten Wahlgang seine Kandidatur zurück.

Schon am Samstag könnte es zu einem Kräftemessen zwischen Blatter und Fußball-Europa kommen, wenn in Zürich das Exko über die WM-Startplätze 2018 und 2022 entscheidet. Zwischen Kongress und Samstagsmeeting wollte Niersbach eigentlich im Privatjet zum Pokal-Dinner des DFB nach Berlin düsen, der Plan wurde aufgrund der Länge der Abstimmung allerdings wieder verworfen. Führende deutsche Fußball-Funktionäre von Karl-Heinz Rummenigge bis Reinhard Rauball forderten ihn auf, trotz der moralisch schwierigen Lage der Fifa, den Posten einzunehmen, um einen Wandel von innen zu gestalten.

Nach einer zehnstündigen Marathonsitzung mit einer Bombendrohung zur Mittagszeit konnte sich Blatter von seinen Unterstützern wieder feiern lassen. Doch bis dahin war es spannend im Hallenstadion. Hinter den Kulissen wurde spekuliert, ob der Vorsprung sogar entscheidend schmelzen könnte. Die USA, Australien, Neuseeland und wohl auch Tunesien waren ins Lager des Prinzen gewechselt. Erstmals bei einer Blatter-Wahl stimmte keine Konföderation en bloc. Allein die Stimmabgabe und Auszählung zog sich über zwei Stunden, da auf Antrag der Amerikaner eine Wahl per elektronischem System abgelehnt wurde. Jede Stimme sollte auf Papier abgegeben werden.

Doch Blatter behielt die Mehrheit und versuchte Tatkraft zu transportieren, die auch Bundeskanzlerin Angela Merkel von ihm einfordert. "Es kann nur einen Weg geben, und dieser Weg heißt Aufklärung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Blatter will diese Rolle annehmen. "Ich möchte die Fifa neu gestalten, damit ich am Ende meines Mandats eine solide Fifa weitergeben kann, eine Fifa die den Sturm überstanden hat", sagte Blatter. Der Schweizer versprach die Einführung einer Fifa-Abteilung für Profifußball - das war eine Attacke gegen Platini, der mit der Champions-League dieses Feld bislang beherrscht.

Vor der Wahl hatte Blatter die Verantwortung für den jüngsten Korruptionsskandal mit Festnahmen von sieben Funktionären in Zürich inklusive seiner Ex-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo auf Einzelne geschoben. "Die Schuldigen, wenn sie denn als schuldig verurteilt werden, das sind Einzelpersonen, das ist nicht die gesamte Organisation." Der Schweizer forderte angesichts des größten Bebens in der Fifa-Geschichte ein aktives Mitarbeiten der Mitglieder.

Die Kooperation aus Europa dürfte sich in Grenzen halten. Platini hatte einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Eine weitere Option ist der kollektive Austritt der Uefa-Mitglieder aus dem Fifa-Exekutivkomitee. Diese Themen sollen in der kommenden Woche in Berlin erörtert werden.
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