Blatter-Nachfolge: Platini soll sich schnell entscheiden - Niersbach geschmeichelt
Nicht die Zeit für Taktiererei

Nach der Geldschein-Attacke im eigenen Fifa-Haus darf sich Joseph Blatter zumindest bei seinem ersten Auslandstrip seit dem Fifa-Erdbeben wieder wie unter Freunden fühlen. Frei von Sorgen um ein mögliches "Reise-Risiko" wegen der US-Ermittlungen in der Fifa-Korruptionsaffäre fliegt der scheidende Weltverbandschef zur Auslosung der WM-Qualifikation ins ihm wohlgesonnene Russland.

Während der 79-Jährige gestärkt durch den Punktsieg über die europäischen Widersacher in die siebenmonatige Endphase seiner skandalumwitterten Ära geht, debattiert die Fußball-Welt über das Personalkarussell, das auch den DFB erfassen könnte. Im historischen Konstantinpalast von St. Petersburg wird Blatter am Samstag auf Michel Platini treffen. Der Uefa-Präsident ist in seiner Funktion zugleich Vorsitzender des WM-Organisationskomitees. In den kommenden Wochen will der Franzose die Entscheidung verkünden, ob er für das Amt des Fifa-Chefs kandidiert.

Reinhard Rauball forderte Platini zu einem raschen Entschluss auf. Es sei "nun unumgänglich, dass sich potenzielle Nachfolger für das Amt des Fifa-Präsidenten unter Verzicht auf Taktiererei eindeutig und zeitnah bekennen", betonte der Ligapräsident. "Das gilt auch für Michel Platini." Auf dem Zürichberg hatte dieser die Dutzenden TV-Kameras ignoriert und war ohne Wort zu seinen Ambitionen verschwunden. Der frühere Fifa-Vize Chung Mong Joon erklärte am Montag zumindest, eine Kandidatur zu erwägen.

Sollte sich Platini zu einer Bewerbung entschließen, wären auch Konsequenzen für den Deutschen Fußball-Bund absehbar. Selbst wenn Wolfgang Niersbach betonte, sich "sauwohl" als Chef in der Frankfurter DFB-Zentrale zu fühlen, schmeichelt ihm die Rolle als möglicher Kronprinz seines Kumpels Platini. Beispielsweise beim Treffen der Uefa-Exekutive am 17./18. September in Malta könnte er sich bitten lassen, das Amt offiziell anzustreben.
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