Blazer bestätigt Bestechungen

Kronzeuge Chuck Blazer berichtet von Bestechungen in Verbindung mit der Wahl Südafrikas als WM-Gastgeber 2010. Bild: dpa

Die Fifa steht nach der Rücktrittsankündigung von Joseph Blatter unter verschärfter Beobachtung. Erstmals wird Korruption gerichtlich belegt. Angesichts möglicher Bestechungen bei WM-Vergaben weist Ex-Innenminister Otto Schily den Verdacht beim "Sommermärchen" zurück.

Korruptionsbeweise aus New York und wirre Warnungen aus der Karibik: Für Joseph Blatter gibt es nach seiner Rücktrittsankündigung keine Atempause. Die Nachrichten aus Übersee über US-Kronzeuge Chuck Blazer und den seit Jahren in Ungnade gefallenen Ex-Blatter-Freund Jack Warner müssen den scheidenden Chef des Fußball-Weltverbandes tief beunruhigen.

Immerhin machte Blatter einen ersten Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden Reformpaket. Er traf am Donnerstag seine neue rechte Hand Domenico Scala, um Zeitrahmen und Arbeitsschwerpunkte abzustecken. "Ich will ein umfassendes Reformprogramm", erklärte Blatter. Scala soll die Neuwahlen organisieren und Reformen voranbringen. Er ist Chef der Fifa-Compliance-Kommission - der Abteilung, die auf sauberes Geschäftsgebaren achten soll.

Wie tief die Fifa in schmutzige Geschäfte verstrickt ist, zeigt ein Gerichtsprotokoll mit der Aussage von Chuck Blazer, der der US-Justiz als Kronzeuge dient. "Beginnend in und um 2004 und bis 2011, verständigte ich mich mit anderen im Fifa-Exekutivkomitee, Bestechungen in Verbindung mit der Wahl Südafrikas als WM-Gastgeber 2010 zu akzeptieren", wird Blazer in dem Protokoll des Bezirksgerichts in Brooklyn aus dem Jahr 2013 zitiert. Schon von 1992 an liefen die illegalen Aktivitäten im Machtzentrum der Fußball-Welt vor der WM-Vergabe 1998.

In der Korruptionsaffäre hält der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die Vergabe der WM 2006 an Deutschland für sauber. "Deutschland hat eine in jeder Hinsicht hervorragende Bewerbung abgeliefert." Er hält es für ausgeschlossen, "dass von den für die Bewerbung verantwortlichen DFB-Vertretern versucht worden sein sollte, die Mitglieder des Exekutivkomitees durch unlautere Mittel zu beeinflussen".

Während die Fußball-Welt über den Nachfolger Blatters rätselt, wird zumindest in West-Europa eine neue Ausschreibung der WM-Turniere in Russland 2018 und Katar 2022 immer lauter gefordert. Englands Sportminister John Whittingdal meinte am Donnerstag, das Mutterland des Fußballs als möglichen Ersatz für Katar ins Spiel bringen zu müssen. Ermittlungsbehörden in der Schweiz untersuchen derzeit, ob bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar Bestechungsgelder geflossen sind.

Millionenzahlungen

Blatter ist noch lange nicht aus der Schusslinie. Weiter unbestätigt sind aber Berichte von US-Medien, nach denen das FBI gegen den 79-Jährigen ermittelt. Die gute Nachricht aus Sicht des Schweizers: In der 40 Seiten starken Abschrift der Blazer-Vernehmung spielt sein Name keine Rolle. Die Kernaussagen Blazers sind dennoch brisant, belegen sie doch die lange vermutete Kultur der illegalen Vorteilnahme im Fifa-Führungszirkel. Sowohl beim WM-Vergabeprozess für 1998 als auch für 2010 flossen Millionenzahlungen zunächst wohl aus Marokko, später aus Südafrika auf Konten jenseits des Atlantiks.

Namen nennt Blazer nicht, aber dass Fifa-Vizechef Warner ein Hauptkomplize war, ist offensichtlich. Und auch die Rolle von Fifa-Generalsekretär Jérome Valcke muss eventuell neu bewertet werden. Eine viel diskutierte Zahlung von zehn Millionen Dollar über ein Fifa-Konto unter angeblich möglicher Mitwisserschaft von Valcke wird in den Unterlagen nicht explizit genannt. Doch die Indizien deuten darauf hin, dass Blazer - von 1997 bis 2013 im Fifa-Exekutivkomitee - auch diesen Deal als Bestechung einstufte.
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