Boxen
Der größte Sportler der Welt

Die drei Kämpfe zwischen Muhammad Ali und dem 2011 verstorbenen Joe Frazier schrieben Box-Geschichte. Bild: dpa
 
Ein Bild aus dem Jahr 2006: Muhammad Ali ließ sich nie von der Parkinson- Erkrankung unterkriegen, links seine Frau Yolanda Ali. Bild: dpa
 

Ein Idol ist für immer abgetreten. Muhammad Ali starb 74-jährig. Zehntausende Menschen werden zur Trauerfeier in Louisville erwartet. Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die Menschen rund um den Erdball so in ihren Bann gezogen und bewegt haben.

Phoenix. Der Sport hat seine Galionsfigur verloren und die Welt eine Ikone. Muhammad Ali lebt nicht mehr. Der "Sportler des Jahrhunderts", Olympiasieger und Schwergewichts-Weltmeister bei den Profiboxern ist am Freitagabend (Ortszeit) in einem Krankenhaus bei Phoenix gestorben. Er wurde 74 Jahre alt; mehr als 30 Jahre hatte er an der Parkinson-Krankheit gelitten.

Sein Tod hat eine unglaubliche Welle von Trauer und Anteilnahme weltweit ausgelöst. "Muhammad Ali war The Greatest. Punkt", schrieb US-Präsident Barack Obama und hob hervor: "Er hat für uns gekämpft." Der schwarze US-Bürgerrechtler Jesse Jackson twitterte: "Wenn Champions siegen, werden sie auf den Schultern von Menschen getragen. Wenn Muhammad Ali siegte, wurden WIR auf SEINEN Schultern getragen."

Blutvergiftung


Die letzte Stunden seines Lebens verbrachte Ali im engsten Familienkreis. "Er hat nicht gelitten", sagte Bob Gunnell, der Sprecher der Familie. Als Todesursache nannte er eine Blutvergiftung infolge unspezifizierter natürlicher Ursachen. Die Parkinson-Erkrankung habe zu den Komplikationen geführt. 1984 war bei Ali die heimtückische Krankheit, auch Schüttellähmung genannt, diagnostiziert worden. Sie hatte den einst bärenstarken Athleten in den Rollstuhl gezwungen, ihm weitestgehend die Fähigkeit zu sprechen genommen. Gerührt waren die Menschen, als der am ganzen Köper zitternde Ali das olympische Feuer bei den Spielen 1996 in Atlanta entzündete.

Die Trauerfeier soll am Freitag in seiner Heimatstadt Louisville stattfinden. Zehntausenden Menschen werden erwartet; der ehemalige US-Präsident Bill Clinton will eine Trauerrede halten. "Eine große Prozession wird Ali durch die Straßen Louisvilles führen, damit jeder aus der ganzen Welt, der dabei sein möchte, sich von ihm verabschieden kann", sagte Gunnell. An der Zeremonie wollen Geistliche verschiedener Religionen teilnehmen, angeführt von einem muslimischem Imam. Ali war 1965 zum Islam konvertiert und hatte seinen Namen Cassius Clay abgelegt.

Ali spaltete mit seinen Wortschwall-Attacken, war ein Narziss, zog im konservativen Amerika auch Hass auf sich. Dazu trug bei, dass er 1964 zum Islam übertrat und seinen, wie er sagte, Sklavennamen Cassius Clay ablegte. Den Mächtigen bot er die Stirn. Rassismus und Vietnam-Krieg prangerte er an, opferte dafür sogar einen wesentlichen Teil seiner Karriere. Weil er den Kriegsdienst in Vietnam verweigerte, wurde er knapp drei Jahre gesperrt. Legendär ist seine Aussage: "Ich bin nicht im Streit mit dem Vietcong. Kein Vietcong hat mich jemals Nigger genannt."

Berühmt wie keiner


Reihenweise verneigten sich ehemalige Champions im Schwergewicht vor dem Heroen. "Er war größer als der Präsident der Vereinigten Staaten, war der berühmteste Mensch der Welt", sagte Alis einstiger Gegner George Foreman. Der Brite Lennox Lewis meinte: "Ein Gigant. Ali verkörperte eine Größe von Talent, Courage und Überzeugung, die die meisten von uns niemals in der Lage sein werden zu verstehen." Vitali Klitschko, aktueller Bürgermeister von Kiew, ließ via Facebook wissen: "Ich bin dem Schicksal dankbar, dass es mir die Möglichkeit gab, den gleichen Titel zu tragen, den einst der große Ali besaß." Mike Tyson schrieb: "Gott hat sich seinen Champion geholt. Auf bald, Größter."

In Deutschland verfolgte Ali 2005 in Berlin einen Kampf seiner Tochter Laila, die einst Weltmeisterin im Supermittelgewicht war. Schon damals redete er nur mit den Augen. Ali selbst hatte als Profi 61 Kämpfe bestritten und davon 56 gewonnen. Unvergessen sind der "Rumble in the Jungle" gegen George Foreman oder der "Thrilla in Manila" gegen Joe Frazier. Ali war Olympiasieger 1960 mit gerade mal 18 Jahren und holte sich dreimal den Gürtel als Schwergewichtsweltmeister.

Sportliche Karriere des Muhammad Ali17. Januar 1942: Geburt in Louisville (Kentucky) als Cassius Marcellus Clay

1954 Debüt als Amateurboxer

1960 Olympiasieg im Halbschwergewicht

1964 Gewinn des WM-Titels als Schwergewichtsprofi gegen Sonny Liston

1967 Entzug der Box-Lizenz und Verlust der WM-Titel wegen Kriegsdienstverweigerung

1970 Comeback mit einem K.-o.-Sieg gegen Jerry Quarry

1971 Erste Profi-Niederlage gegen Joe Frazier

1974 "Rumble in the Jungle": K.-o.-Sieg gegen George Foreman, Rückoberung der WM-Titel von WBA und WBC

1975 "Thrilla in Manila": Sieg gegen Joe Frazier (technischer K.o.)

1978 Verlust der WM-Titel durch Niederlage gegen Leon Spinks, später Rückeroberung

1979 Rücktritt vom Boxsport

1980 Comeback gegen Weltmeister Larry Holmes, Punktniederlage

1981 Letzter Kampf gegen Trevor Berbick, deutliche Punktniederlage

2000 Auszeichnung als "Sportler des Jahrhunderts"

Von Alfred Schwarzmeier

"They never come back" - jene legendäre Fernsehreihe von Oskar Klose brachte mich dem Boxsport näher. Sie lief Anfang der siebziger Jahre im Bayerischen Fernsehen. Ich verfolgte sie als Elf- oder auch Zwölfjähriger. Mit riesiger Neugier. Joe Louis, Rocky Marciano, Sugar Ray Robinson - in meinen, fast noch kindlichen, Augen waren das allesamt Kerle mit übermenschlichen Kräften.

Vor allem Cassius Clay alias Muhammad Ali. Jener Moment, als er im WM-Revanchekampf Sonny Liston in Runde eins niederstreckte, zog mich in den Bann. Die Szene hatte etwas Heldenhafte und ist mir immer wieder begegnet. Im Fernsehen und auf Agenturbildern, wenn Ali einen runden Geburtstag feierte. Oder auch in den letzten Jahren auf "youtube", wo ich Kämpfe des "Größten" gegen Liston, Frazier, Norton oder Foreman hin und wieder abrufe.

Vor wenigen Monaten fiel mir wie durch Zufall die Buchfassung von "They never come back" in die Hände. Ich bezahlte drei Euro dafür. Alleine die Passagen über Ali sind jeden Cent wert.

alfred.schwarzmeier@derneuetag.de

Zitate

"Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene."

(Ali im Jahr 1964 vor seinem Kampf gegen Sonny Liston)

"Ich bin so schnell, als ich letzte Nacht das Licht in meinem Hotelzimmer ausgemacht habe, war ich im Bett, ehe es dunkel war."

"Es ist schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich."

(Ali über sich selbst)

"Es ist nur ein Job. Gras wächst, Vögel fliegen, Wellen spülen an den Sand - ich verprügele Leute."

(Ali über seine Karriere als Boxer)

"Was ich körperlich erlitten habe, war das, was ich im Leben erreicht habe, wert. Ein Mensch, der nicht mutig genug ist, Risiken einzugehen, wird niemals etwas im Leben erreichen."

(Ali 1984 in Houston)
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