BVB schöpft neuen Mut im Abstiegskampf - Trainer-Lob für Italiener Immobile
Klopp spricht von Lebenszeichen

Die starke Leistung machte Mut, konnte die depressive Stimmung bei Borussia Dortmund aber nicht vertreiben. Mit zwiespältigen Gefühlen und gequältem Lächeln wertete Jürgen Klopp das 2:2 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg als Fortschritt. Bei allem Frust über den Verbleib seiner Mannschaft auf Tabellenrang 16 der Bundesliga und aller Aufregung um die hohe Geldstrafe für Angreifer Marco Reus wegen Fahrens ohne Führerschein (siehe Weltgeschehen Seite 6) sprach der Fußball-Lehrer von "positiven Nachrichten aus Dortmund. Wir leben noch. Wir können noch Fußball spielen. Und wir haben das Kämpfen noch nicht verlernt."

An den Rücktritts-Spekulationen, die nach dem Spiel aufgekommen waren, sei nichts dran, sagte Klopp. Den Vermutungen, dass seine Aussagen Ausdruck seiner Amtsmüdigkeit waren, konnte der Trainer wenig abgewinnen. "Ich wollte damit nichts andeuten oder vorbereiten." Klopp hatte sich beim BVB-Anhang für die Unterstützung mit folgenden Worten bedankt: "Es wird den Moment geben in meinem Leben, wo ich nicht mehr Trainer dieser Mannschaft bin. Dann werde ich nichts mehr vermissen, als diese Fans und diese großartige Atmosphäre."

Mit dem 2:2 wahrte die Borussia mit dem Remis die Chance, nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern zu müssen. Ein Sieg in der Partie am Samstag bei Schlusslicht Werder Bremen soll helfen, die Alpträume der vergangenen Woche zu vertreiben. "Die Bezeichnung Kellerduell ist durchaus angebracht. Wir haben die große Chance, einen Schritt zu machen", kommentierte Klopp. Auch Sportdirektor Michael Zorc hofft, dass die Profis nach dem dritten ansehnlichen Heimspiel in Serie endlich auch mal auswärts mit vergleichbarem Engagement zur Sache gehen: "Diese Leistung muss der Maßstab für Bremen sein."

Anders als beim blutleeren Auftritt in Berlin (0:1) erinnerte die Borussia im Duell mit dem bärenstarken Tabellenzweiten aus Wolfsburg zumindest phasenweise an alte Zeiten. Vor allem Ciro Immobile spielte groß auf. Der von vielen bereits als 18,5 Millionen Euro teurer Fehleinkauf abgeschriebene Italiener bereitete nicht nur das 1:0 durch Pierre-Emerick Aubameyang (8.) vor, sondern sorgte auch für die zwischenzeitliche 2:1-Führung (76.) seiner Mannschaft.

"Das war ohne Zweifel sein bestes Spiel für den BVB", lobte Klopp, "es war für alle wunderschön zu sehen, wie stark Ciro sein kann. Das hat ihm gutgetan, das hat uns gutgetan." Die Begründung für den Leistungsschub des ehemaligen Torschützenkönigs der Serie A lieferte der Trainer gleich mit: "Wir sind dabei, für ihn unser Spiel etwas umzustellen. Außerdem haben wir an seinen Laufwegen gearbeitet."

Diese Maßnahmen machen sich langsam aber sicher bezahlt: Mit großem Kampfgeist gab Immobile die Richtung für den Abstiegskampf vor und sammelte auch jenseits des Rasens Pluspunkte beim Trainer: "Wenn wir so spielen, wie Borussia spielen kann, mit dem Messer zwischen den Zähnen, dann können wir jedem wehtun", sagte der Angreifer.
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