Champions-League
Dicker Dämpfer für die Bayern

Fassungslos, hilflos, ratlos: Robert Lewandowski (rechts), Franck Ribéry (Mitte) und Thomas Müller (links) können die Pleite in Madrid nicht fassen. Bild: dpa

"La bestia negra" - das ist lange her. Ohne "Killerinstinkt" müssen sich die Bayern wieder einmal in Spanien geschlagen geben. Die Pleite ist besser zu verkraften als jene des schmerzhaften Halbfinal-Triples unter Guardiola.

Madrid. Wirklich genießen konnte Carlo Ancelotti sein erstes Bayern-Bankett an der Seite von Ehefrau Mariann nicht. Nach der nächsten Spanien-Pleite der Münchner musste sich der Italiener aufbauende Worte von Karl-Heinz Rummenigge anhören. Wie bei den gescheiterten Versuchen unter Pep Guardiola konnte der Rekordmeister auch mit seinem neuen Coach nicht auf das ersehnte Erfolgserlebnis anstoßen. "Niederlagen sind manchmal gut, wenn man daraus lernt", sagte der Vorstandschef bei seiner nächtlichen Rede zum verlorenen ersten Härtetest der noch jungen Saison. "Es gab mal Zeiten, da sind wir etwas lieber nach Madrid gefahren, als das im Moment der Fall ist."

Das 0:1 bei Atlético Madrid bedeutete die vierte Auswärtsniederlage nacheinander bei einem Spitzenteam aus der Primera División und den ersten Rückschlag in der kurzen Amtszeit Ancelottis. "Verlieren ist immer traurig", räumte der Starcoach nach dem Traumstart von zuvor acht Pflichtspielsiegen ein. "Aber wir sind am Anfang der Saison, wir können immer noch als Gruppenerster weiterkommen." Platz eins erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Achtelfinale der Champions-League einem Topteam aus dem Weg zu gehen. Doch nach der Ära Guardiola hat Ancelotti noch viel zu tun.

Wie beim Aus gegen Madrid vor fünf Monaten fehlte den Münchnern im Estadio Vicente Calderón wieder die Kaltschnäuzigkeit. Zum vierten Mal in Serie glückte nicht einmal ein Tor in Spanien. Dazu leistete sich der deutsche Fußball-Rekordmeister defensiv zu viele Schwächen, war nach vorne nicht zielstrebig und präzise genug. "Atlético hat den Killerinstinkt. Diesen Killerinstinkt hatten wir leider nicht", formulierte es Welttorhüter Manuel Neuer. "Eine Niederlage ist immer ein Rückschlag."

Die Bayern-Stars übten deutliche Selbstkritik. "Wie die Stürmer von Atlético gegen den Ball arbeiten, da müssen wir uns ein Beispiel dran nehmen", monierte Jérôme Boateng. Vielleicht sei das Spiel auch gut um zu sehen, "dass es noch ein anderes Tempo gibt. Dass es nicht von alleine geht." Yannick Carrasco belohnte mit seinem Tor (35. Minute) die acht Kilometer mehr gelaufenen Gastgeber, die am Mittwochabend durch ihr schnelles Umschaltspiel eklatante Lücken in der Münchner Defensive aufzeigten. "Wir haben noch viel Verbesserungsbedarf, das haben wir die letzten Wochen aber auch schon immer wieder betont. Trotzdem sind wir auf einem guten Niveau, aber zum Glück noch mit Luft nach oben", beschrieb es Mats Hummels.

"Natürlich ist das auch ein Signal, dass wir dran bleiben müssen und eventuell das eine oder andere noch verändern müssen", ergänzte Thomas Müller. Denn Vorjahresfinalist Atlético ist eben ein ganz anderes Kaliber als Rostow, Hertha & Co.

Atlético hat den Killerinstinkt. Diesen Killerinstinkt hatten wir leider nicht.Manuel Neuer
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