Club-Profis verdienen zu viel

Kleine Verschnaufpause für den Sportvorstand beim FCN, Andreas Bornemann. Ansonsten hat der neue schon an seinen ersten Amtstagen jede Menge zu tun. Um die Finanzen beim Club soll es nicht allzu gut bestellt sein. Bild: dpa

Ein bisschen einarbeiten? Sich erst mal einen groben Überblick verschaffen? Andreas Bornemann kann das vergessen. Der neue Sportvorstand des 1. FC Nürnberg hat gleich jede Menge Probleme.

Nürnberg. (mr) Der 1. FC Nürnberg hat nicht nur in der Zweitliga-Tabelle für seine Ansprüche zu wenige Zähler auf dem Punktekonto (14), er hat auch immer weniger Geld auf dem Bankkonto. Nach einem Bericht des Sportmagazins "Kicker" vom Donnerstag könnte sich der Schuldenberg des Traditionsclubs bis zum Ende des Geschäftsjahres (Juni 2016) gar auf vier Millionen Euro auftürmen. Zwar wurde im August kurzfristig U21-Nationalspieler Niklas Stark für drei Millionen Euro an Hertha BSC verkauft. Doch ob das reicht, um die DFL-Auflagen zu erfüllen? Gut möglich, dass in der Winterpause noch ein weiterer Leistungsträger verkauft werden muss, um die Löcher zu stopfen, heißt es.

Dass Problem: Der Club hat seine Kosten nicht im Griff. Dabei ist der schlechte Zuschauerschnitt, der um etwa 3000 unterhalb der kalkulierten 30 000 liegt, noch das kleinere Übel. Der große Haken: "In dieser Liga können wir uns diesen Kader nicht leisten", sagt Sportvorstand Andreas Bornemann, der seit einer Woche die Arbeit aufgenommen hat. Die Mannschaft sei einfach zu teuer - das böse Erbe von Martin Bader und auch Ex-Finanzvorstand Ralf Woy. An diesen Kostenschrauben können aber Bornemann und der ebenfalls neu installierte Finanzfachmann Michael Meeske nur schwer drehen, die Verträge der Spieler laufen noch länger. "Wenn wir nicht aufsteigen, müssen wir aber erheblich einsparen", warnt Bornemann schon mal. Auch bei den Gehältern könne man das jetzige Niveau nicht halten.

Es ist schon länger ein offenes Geheimnis, dass beim Club unterdurchschnittliche Leistungen überdurchschnittlich honoriert werden. Die "Bild"-Zeitung berichtete Mitte der Woche, dass sogar für Ergänzungsspieler monatlich bis zu 35 000 Euro möglich seien. Spieler wie Even Hovland, Dave Bulthuis oder Jakub Sylvestr, die erst nach dem Bundesliga-Abstieg im Mai 2014 gekommen sind, haben dennoch gut dotierte Verträge unterschrieben. Auch sei der Kader zu groß, moniert Bornemann. 27 Spieler zählt die Truppe von Trainer Renè Weiler. Diese Größe, so der Sportvorstand, erschwere auch den Einbau regionaler Talente, zu denen Pat-rick Erras (Raigering) und der Weidener Dennis Lippert gehören.

Genaue Zahlen über die Verluste gibt es noch nicht. Die werden am Sonntag, 11. Oktober, den Club-Mitgliedern präsentiert. Bornemann und Meeske werden sich dann wohl für etwas rechtfertigen müssen, wofür sie gar nichts können. Es soll aber auch Bestrebungen geben, Bader und Woy die Entlastung zu versagen.
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