Club schöpft wieder Hoffnung

Dank Alessandro Schöpf: Der Mann hat das Bayern-Gen. Beim wichtigen 3:2 am Montag gegen Kaiserslautern zeigte der junge Österreicher erstmals diese Siegermentalität.

Nürnberg. (mr) Alessandro Schöpf ist mit seinen 20 Jahren noch nicht lange im Profigeschäft dabei. Was dort Historie und Tradition bedeuten, hat er aber schon verinnerlicht. "Bei einem Traditionsverein ist immer Unruhe, wenn man nicht gewinnt." Beim 1. FC Nürnberg wohl besonders, weil der Club - wie die vergangenen Wochen zeigten - ein ganz besonderer Traditionsverein ist.

Kein euphorischer Sieger

Nach dem 3:2 (2:0) gegen den 1. FC Kaiserslautern am Montagabend stand der Österreicher Schöpf in der Interviewzone und ließ die verrückte Zeit zuletzt, als der Club vom heißesten Aufstiegsanwärter zu einem Abstiegskandidaten in der zweiten Bundesliga mutierte, Revue passieren. "Die letzten Wochen waren nicht einfach", sinnierte er. Trotz des wichtigen Erfolgs machte er nicht den Eindruck eines euphorischen Siegers. Dabei hätte gerade er dazu allen Grund gehabt. Das erste Tor aufgelegt, das zweite und dritte selbst erzielt. "Eigentlich wollte ich in die lange Ecke schießen", beschrieb er das 3:0, "dann wurde er noch abgefälscht und landete in der kurzen Ecke."

Zittern bis zum Schluss

Ja, sie hatten auch Glück an diesem Abend. Das hatten sie sich aber vor 25 000 Zuschauern auch verdient. Die Gäste hätten gegen Ende locker ausgleichen können. "Uns ging am Ende die Luft aus", gab Schöpf zu. Außen zitterte Trainer Valerien Ismaël mit: "Kaiserslautern ist eine Mannschaft, die bis zum Schluss nicht aufgibt." Für Schöpf freute sich der Trainer besonders: "Er bringt, seit er da ist, konstante Leistungen und hat sich endlich belohnt." Zwei Tore, eine Vorlage - war das der Durchbruch beim Club? "Ach was", winkte Schöpf ab. "Durchbruch? Ich freue mich einfach, dass ich der Mannschaft helfen konnte." Schöpf war vor der Saison als kommender Mittelfeldstratege geholt worden. Vom FC Bayern München. Der feine Techniker soll für die schönen Momente im Club-Spiel sorgen. 2009 war der gebürtige Tiroler aus der Nähe von Imst in die Jugend der Münchner gewechselt. In den vergangenen beiden Spielzeiten war er ein wichtiger Mann bei den Bayern - in der zweiten Mannschaft. Dort erzielte er in 63 Spielen 22 Tore. Der Sprung in den Kader von Pep Guardiola war dennoch zu groß. Für 400 000 Euro verkauften die Bayern ihn an den Club. Bis 2017 läuft dort sein Vertrag. In München glauben sie weiter an das große Talent, die Bayern haben eine Rückkaufoption.

Torwartwechsel

Doch die interessiert Schöpf nicht. "Ich bin einfach stolz, für diesen Traditionsverein zu spielen." Es zählt nur der FCN. Und der überraschte gegen die Pfälzer mit totalem Einsatz und Hingabe. "Wir waren von der ersten Minute an sehr engagiert", lobte Ismaël die Seinen. Dazu gehörte auch Patrick Rakovsky, der Raphael Schäfer im Tor abgelöst hat. "Vielleicht musste mal eine Veränderung her, damit sich etwas neu entwickelt", sagte Schöpf zum überraschenden Torwartwechsel. Die Degradierung zur Nummer 3 ist für das Club-Urgestein Schäfer nur schwer zu verdauen. "Wir haben gewonnen, es gibt keinen Grund etwas zu ändern", vertraut Ismaël auch am Freitag in Bochum auf Rakovsky. Schäfer wird zu Hause bleiben, alte Verdienste zählen beim Club nicht mehr.
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