Cottbus kontert Regensburg verdient mit 4:1 aus
Jahn ohne Mumm bei Energie

Nur zu Beginn des Spiels lieferte der Jahn den Cottbussern einen Fight, den die Gastgeber mit Gelb-würdigen Fouls beantworteten - hier gegen Perdedaj. Bilder: Baumann
 
Nur zu Beginn des Spiels lieferte der Jahn den Cottbussern einen Fight, den die Gastgeber mit Gelb-würdigen Fouls beantworteten - hier gegen Perdedaj. Bilder: Baumann
 
Verdiente sich trotz der vier Gegentore als einziger Regensburger gute Noten: Keeper Richard Strebinger.
 
Zu leicht: Pass auf Kleindienst, Kopfball, 1:0 für Cottbus.

Das war dann wohl das Auswärtsgesicht des SSV Jahn: In der ersten Halbzeit agieren die Auswärtsblauen im Stadion der Freundschaft vor 6.390 Zuschauern nervös und passiv– in der zweiten Halbzeit ist die Abwehr dann offen wie ein Scheunentor: Ein auch in dieser Höhe verdientes 1:4 – Energie Cottbus reicht starke 15 Minuten nach dem Ausgleich und ein treffsicherer Kleindienst. Knackpunkt des Spiels: Unmittelbar vor dem 2:1 der Gastgeber verpassen Steininger und Öztürk nach starker Vorarbeit von Königs den Führungstreffer.

Das Spiel beginnt, vorsichtig formuliert, zurückhaltend von beiden Seiten. Die Gäste mit zwei Veränderungen im Vergleich zum Heimsieg gegen Stuttgart: Für den verletzten Fabian Trettenbach verteidigt wie angekündigt Uwe Hesse rechts. Und Aykut Öztürk darf zur Premiere von Beginn an ran.

Strebinger macht den Libero

Tim Kleindienst mit der ersten Torannäherung nach Vorarbeit von Torsten Mattuschka noch ohne Herzflattern für Keeper Richard Strebinger (3.). Überhaupt ist der junge Österreicher von Anfang an ins Spiel eingebunden – mal mehr, mal weniger freiwillig:

Etwa als der Schlussmann Mattuschka im eigenen Strafraum umkurvt (5.).
Oder als nach einem langen Pass der Gastgeber Grégory Lorenzi und Marcel Hofrath Thomas Hübener gewähren lassen, Strebinger aber den Ball rechtzeitig wegfischen kann (7.).

Das Aufbauspiel der Regensburger verdient diesen Namen kaum:


Nach einem schlampigen Pass von Aias Aosman, versucht sich Kleindienst links durchzuspielen, aber Uwe Hesse hat aufgepasst.
Cottbusser Flügelwechsel auf Marco Holz, Hofrath geht gerade noch rechtzeitig dazwischen (10.).
Aykut Özturk wird links steil geschickt … aber eben auch viel zu steil (12.)
Hesse verschätzt sich bei einem Pass, Kleindienst mit gefährlicher Hereingabe, aber Abnehmer Fehlanzeige (12.).
Hofrath klärt gerade noch mit gestrecktem Bein vor Mattuschka zur Ecke. Pusch mit Bogenlampe im Strafraum, die ein Cottbusser gerade noch so verfehlt (20.)
Energie doppelpasst sich bis zum 16er, ehe Ötztürk ein Bein dazwischen bekommt.
Lorenzis Fehler führt zu einer Kombination über Hübener und Kleindienst, der Makarenko einen Hauch zu spät freispielt – Abseits, aber er hätte das Ding freistehend danebengesetzt (28.)

Und dann ist auch schon wieder Strebinger-Time: Wieder einmal Kleindienst allein vorm Jahn-Keeper, der bleibt lange stehen und greift dem Angreifer den Ball vom Fuß (31.). Spielerisch ist das hier bislang wüstes Land, beide Mannschaften egalisieren sich weitgehend, es fehlen Ideen und Präzision.

Hesse mit Problemen im 1:1

Ganz ehrlich: So gut Hesse seine Dynamik als Flügelflitzer ausspielt – als Rechtsverteidiger hat man keine ruhige Minute. Wie schon gegen Rostock hat der Blonde große Probleme im 1:1 – deshalb kann sich einmal mehr Kleindienst vorbeimogeln, aber Strebinger ist rechtzeitig draußen (32.).

Es hat sich angekündigt, die Flanken häufen sich, die Einschläge kommen näher und als dann weder Markus Palionis noch Uwe Hesse Zeit hatten, auf Kleindienst aufzupassen, braucht der im Fünfer nur noch in aller Ruhe einzunicken, 1:0 (34.). Läuft da irgendeine Wette? Wie oft will man Matuschka noch seine Freistoßflanken üben lassen? Wieder recken sich alle Köpfe vergeblich, sicher sieht anders aus. (37.).

Fehlerkette von der Viererkette bis zum Sturm

Und wenn’s vorne hakt und hinten kriselt, dann ist auch das Mittelfeld nicht unschuldig: Oh Mann, Kolja Pusch und Aosman stehen sich gegenseitig auf den Füßen und geben die Kugel an den lachenden Dritten Cottbusser weiter (38.). Ganz schwach im Aufbau bisher auch Daniel Steininger – wobei Namedropping eigentlich keinen Sinn macht, weil hier alle weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

Überraschung: Einen Freistoß von – Tusch – Matuschka, verlängert Kapitän Uwe Möhrle an Knolls Hinterkopf (43.). Die erste gute Aktion der Regensburger ist zugleich die letzte in der ersten Halbzeit. Aosman tanzt sich frei, legt für Steininger auf, der aber aus 16 Metern in den Himmel schießt (45.). Da ist nicht nur jede Menge Luft nach oben – da braucht’s schon ein Sauerstoffzelt in der Kabine, um diesen phlegmatischen Tabellenletzten wiederzubeleben.

Ein Solo ist zu wenig

Wenn das Zusammenspiel nicht klappt, dann muss eben mal ein Solo her. Daniel Steininger, der sich bis zu dieser Minute in Unauffälligkeit geübt hat, tankt sich links durch die gesamte rote Abwehr und versenkt die Kugel präzise im rechten langen Eck – das schönste Tor des jungen Leih-Fürther für den Jahn (47.).

So haben wir uns das aber nicht vorgestellt: Der Ausgleich beflügelt leider nicht die Regensburger, sondern stachelt den energischen Ehrgeiz der Lausitzer an – Powerplay der Gastgeber, und immer wieder hat Hesse auf seiner Seite massive Problemen.

Makarenko von der Grundlinie flach in die Mitte, Hofrath klärt keine Sekunde zu früh vor einem roten Stürmer (50.).
Mattuschkas Freistoß vom rechten Strafraumeck in den Fünfer, wo Möhrle knapp drüber köpft (54.).

Zweimal schafft sich der Jahn etwas Entlastung. Hofrath tankt sich bis an die Grundlinie durch und torkelt arg bedrängt über die Auslinie – Schiedsrichter Daniel Schlager (Niederbühl) winkt ab, Hofrath ist sauer (53.). Und dann aus dem Nichts die ganz große Chance, um dieses Spiel auf den Kopf zu stellen: Einmal setzt sich Marco Königs gegen Drei prima durch, aber dann verfehlt in der Mitte erst Steininger und dann rutscht Öztürk rechts außen in den Ball, der nur noch das Außennetz rauschen lässt (56.).

Der Knackpunkt: Nackenschlag nach der großen Chance

Das wäre es gewesen – das Spiel wäre wohl anders gelaufen, wenn es hier plötzlich 1:2 steht. Stattdessen bettelt der dunkelblaue Gast – wie die Protagonistin in „Ein Haufen graue Schattierungen“ – weiter um Hiebe im eigenen Strafraum: Erst pariert Strebinger gegen den stark Abseits verdächtigen Möhrle. Aber dann köpft Kleindienst den fälligen Eckstoß unbedrängt zum 2:1 ins Netz (57.). Ja, wofür predigt denn Jahn-Coach Christian Brand, dass das Abwehrverhalten bei Standards schleunigst besser werden muss? Aber der sagte ja auch, dass er sich einen mutigen Auftritt hier wünscht – davon kann keine Rede sein.

Brand schickt Andi Güntner für Öztürk auf den Platz: Soll der Abräumer für die Kollegen absichern, damit Hesse mit nach vorne gehen kann? Nein, Güntner ordnet sich auf der Sechs ein, Knoll soll stärker nach vorne pushen (60.). Immerhin, endlich mal wieder der Jahn in der Vorwärtsbewegung, Aosman lässt durchrutschen auf Hesse, dessen Flanke von rechts aber ins Leere geht (63.).

Déjà-vu: Statt Ausgleich das 1:3

Und dann verpasst Lorenzi seine Chance, wie schon gegen Stuttgart die Wende einzuleiten: Nach einer butterweichen Freistoßflanke von Aosman setzt der Korse das Leder an den Außenpfosten (65.). Und wieder wiederholt sich die Geschichte: Fast im Gegenzug kassiert Regensburg den Nackenschlag. Sven Michel, beim Hinspiel noch unrühmlich mit Gelbrot vom Platz geschlichen, schleicht sich gerade eingewechselt an, nimmt mit der ersten Ballberührung die Kugel aus 20 Metern halblinks volley und knallt sie rechts oben zum 3:1 ins Eck – keiner kann sich erklären, wieso der da völlig allein agieren kann, und auch Hesse schaut aus zehn Metern Entfernung andächtig zu (69.).

Es hätte noch schlimmer kommen können. Klar, kann man in dieser Situation aufmachen, versuchen, noch den Anschluss zu schaffen – aber wenn man selbst nach vorne gar nichts Konstruktives zustande bringt, stellt sich schon die Frage, warum man sich im Minutentakt Konterchancen einhandeln muss:

Michel könnte mit der zweiten Ballberührung gleich nachlegen, legt aber stattdessen im Strafraum noch mal quer. Während Hesse erst mal abwartet, verpasst Kleindienst (73.).
Zweimal noch läuft Kleindienst allein auf Strebinger zu, der klasse antizipiert: Der Jahn-Keeper verdient sich heute als einziger gute Noten und rettet gegen – wen sonst? – Kleindienst (79.).
Aber dann ist es doch geschehen: Kleindienst lässt sich sein drittes Ding im gefühlten zehnten Anlauf nicht nehmen, 4:1 (84.).

Dazwischen lassen die Regensburger Jungs ein wenig heiße Luft ab. Gelb für Michel und Aosman, nachdem sie sich als Giftzwerge in einer Brustraus-Aktion gegenüberstanden. Grund genug, für eine zünftige Massenhysterie, die allerdings ohne Rot geschlichtet werden kann (77.). Schlussnotiz: Auch Thomas Kurz und Patrick Lienhard können diesen bitteren Rückschlag nicht mehr korrigieren.

„Die Mannschaft muss einfach gewinnen, fertig!“

Der Mann, der von sich sagt, dass er nichts mehr hasst, als zu verlieren, ist nach dem Spiel kurz angebunden: „Wir kriegen wieder ein Tor nach einer Standardsaison“, giftet Marvin Knoll, „das hat uns völlig aus der Bahn geworfen.“ Über das 3:1 kann er dann nur noch höhnisch lachen: „Der war halt da und macht das Tor des Jahrtausends.“ Wie geht’s nun weiter? „Die Mannschaft muss einfach gewinnen, fertig!“

Nur gut, dass für den Jahn (20./ 19) vor dem nächsten Endspiel gegen Dynamo Dresden (8./38) am kommenden Samstag, 14 Uhr, in der Tabelle nichts Vorentscheidendes passiert ist: Nach Niederlagen von Großaspach (19./22) und Mainz (18./22) und dem Remis der Dortmunder (17./24) hat sich der Abstand zum Nichtsabstiegsplatz zumindest nicht vergrößert.