"Courage zeigen"

Auch am Mittwoch erinnerte vor dem Stadion in Hannover noch alles an die Ereignisse vom Dienstagabend, als das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden wegen einer Terrorwarnung abgesagt worden war. Bild: dpa

Von der Unbeschwertheit vergangener Tage ist wenig geblieben. Nach dem Trauma von Paris und der Länderspiel-Absage von Hannover debattiert die Bundesliga über neue Sicherheitsmaßnahmen. An den Ansetzungen für den 13. Spieltag hält die DFL jedoch fest.

Polizei-Sirenen statt Fan-Gesänge - der Schock von Hannover zwingt den deutschen Fußball zum Umdenken. Die Angst vor Terroranschlägen hat auch die Bundesliga erreicht. Zwar wurden Gedanken an eine Absage des kommenden Spieltages schnell verworfen, aber die Verschärfung der Sicherheitsstandards wird intensiv diskutiert. In tiefer Sorge sprach Martin Kind, Präsident von Hannover 96, vom Beginn einer neuen Zeitrechnung: "Das wird den Fußball verändern und stellt uns vor eine neue Herausforderung." Ähnlich bestürzt äußerte sich Ligapräsident Reinhard Rauball: "Der Fußball hat mit dem heutigen Tag in vielen Facetten eine andere Wendung bekommen."

Wie schwer die Rückkehr in den Alltag nach den Terrorakten von Paris zu werden scheint, offenbarten die Vorkommnisse beim Länderspiel in Hannover. Abermals wurde die Freude am Sport von der Angst vor Terror überlagert. Unter diesem Eindruck forderte 96-Chef Kind ein einheitliches Konzept für alle Bundesligavereine unter Federführung der Deutschen Fußball Liga (DFL). In eine ähnliche Richtung ging die Argumentation von DFB-Interimschef Rainer Koch: "Für den Fußball in Deutschland gilt das Gleiche wie für alle anderen Großveranstaltungen in Deutschland. Wir müssen uns unter diesem Aspekt entsprechend aufstellen, wir müssen uns bewusst sein, dass Gefährdungslagen bestehen."

Bundesliga spielt

Weitere Absagen soll es nach Möglichkeit vorerst jedoch nicht geben. Wie die DFL erklärte, bleiben die Ansetzungen für den 13. Spieltag an diesem Wochenende unverändert. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert verteidigte diese Entscheidung am Mittwochnachmittag: "Sicherlich müssen wir alle wachsam sein. Aber es gibt keine Erkenntnisse von jedweder Gefährdung. Wir sollten nicht in Panik verfallen, sondern uns auf das konzentrieren, was über Jahre im Sicherheitsbereich entwickelt wurde."

Trotz der aktuellen Gefahrenlage sprachen sich die Vereinsvertreter unisono für eine Durchführung des Spieltages aus. Die deutlichsten Worte fand BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Es gibt keine Alternative. Wir müssen als Zivilgesellschaft Courage zeigen und dürfen nicht kapitulieren. Sonst jubeln doch genau die Leute, die jetzt nicht jubeln sollen." Die Reise zum Spiel der Borussia am Freitag in Hamburg tritt er nach eigenen Angaben ohne Angst an. "Wir sollten jetzt nicht in Hysterie verfallen, sondern gemeinsam überlegen, wie wir die ohnehin schon hohen Sicherheitsstandards noch erhöhen können", sagte Watzke.

Fans brauchen Geduld

Erste Maßnahmen für das Wochenende sind bereits in Planung. Vielerorts werden mehr Ordnungskräfte eingesetzt und intensivere Einlasskontrollen stattfinden. Nicht zuletzt deshalb empfahlen einige Clubs ihren Anhängern eine frühzeitige Anreise. "Ich kann den Fans schon jetzt sagen: Bringt mehr Zeit, mehr Geduld und keine Rucksäcke mit", sagte Werder Bremens Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald
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