Däbritz die WM-Entdeckung

Zwei Gesichter, eine Sara Däbritz: Die junge Oberpfälzerin fröhlich bei einer Pressekonferenz bei der WM in Kanada (links) und enttäuscht nach dem verlorenen Spiel um Platz drei (rechts). Bilder: dpa

Runterkommen, Gedanken sortieren: Mit ihren gerade einmal 20 Jahren rast Sara Däbritz aus Ebermannsdorf durch die Fußballwelt: Europameisterin, U20-Weltmeisterin, Wechsel zum FC Bayern, jetzt WM-Vierte in Kanada. Da muss man schon mal durchschnaufen.

Ebermannsdorf. (mr) Nach dem ganzen WM-Trubel jenseits des Ozeans tut die Ruhe in der Oberpfalz richtig gut: "Ich brauche jetzt im Urlaub nicht irgendwo hinfliegen, ich genieße es jetzt, daheim zu sein." Seit Montag ist Sara Däbritz wieder im Lande, nach der Landung in München ging es gleich heim nach Ebermannsdorf (Kreis Amberg-Sulzbach). "Da bleibe ich jetzt erst einmal ein paar Wochen." Freunde besuchen, in Amberg ein bisschen bummeln. Natürlich hat die deutsche Fußballnationalspielerin ihre Gedanken, ihre Gefühle von der Frauenfußball-WM in Kanada auch mit heim genommen. "Total lange grüble ich jetzt nicht", sagt die 20-Jährige, "Aber es beschäftigt natürlich einen noch."

Eine Doppelgängerin

Etwa das am Samstag verlorene Spiel um Platz drei gegen die Engländerinnen. "Schade, dass wir keine Medaille mitgebracht haben", sinniert sie in ihrem Elternhaus. Aber trotz der Niederlage war die junge Offensivkraft eine Gewinnerin: "Sportzeitschriften kürten sie zur besten deutschen Spielerin in diesem Spiel, Kommentatoren im Fernsehen schwärmten von der umtriebigen Oberpfälzerin. Däbritz schien über die 120 Minuten auf dem Platz eine Doppelgängerin zu haben, war nahezu gleichzeitig vorne links und hinten rechts zu finden: "Ich war da so voller Adrenalin", blickt sie zurück. Sie freute sich zwar über ihre Leistung , ärgerte sich aber auch: "Uns hat die letzte Konsequenz, der letzte Pass gefehlt."

Dennoch sieht sie das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft als Erfolg. Deswegen kann sie auch die derzeitige Kritik an Bundestrainerin Silvia Neid nicht verstehen. "Danach kann man immer leicht reden." Die Bundestrainerin hätte ihren Plan gehabt. Däbritz war auch nicht überrascht oder groß enttäuscht, dass sie im Halbfinale gegen die USA (0:2) nur auf der Bank saß. Der Zusammenhalt im Team sei trotz der letzten beiden Niederlagen enorm gewesen", sagt sie und dann blickt die mittlerweile 21fache Nationalspielerin nochmals zurück: "Mir hat bei der WM alles Spaß gemacht." Die Freude steigerte noch etwas: Sie erzielte in Kanada ihre ersten beiden Länderspieltore. "Bei einer WM ist das natürlich was ganz besonderes."

Etwas besonderes wird auch ihr neuer Lebensabschnitt. Am 25. Juli steigt sie bei ihrem neuen Klub ins Training ein. Beim FC Bayern München. "Ich bin schon seit früher Bayern-Fan", erzählt sie. Jetzt darf sie nach ihrem Wechsel vom SC Freiburg auch das Trikot des Traditionsvereins tragen. "Das ist schon noch einmal eine andere Herausforderung", blickt die 20-Jährige gespannt in die Zukunft. Der deutsche Meister spielt im Grünwalder-Stadion, ist in der Champions-League dabei. "Gegen spanische und französische Mannschaften zu spielen ist wirklich cool", freut sie sich auch auf die internationalen Vergleiche, wenngleich diese noch mehr Belastung und Stress bedeutet. "Wir haben einen breiten Kader, da kann man das ausgleichen." Zudem kann sich Däbritz voll auf Fußball und die Integration in die Mannschaft konzentrieren. Als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio - an Däbritz kommt Neid nicht vorbei - ist dies sicherlich auch nützlich. "Das erste halbe Jahr spiele ich jetzt nur Fußball, danach möchte ich aber auch studieren." Irgendetwas mit Sport-Management schwebt ihr vor. "Fest steht aber noch nichts."

Eine Weltreisende

Fest steht nur, dass sie künftig öfter wieder zu Hause in Ebermannsdorf sein wird. "Wenn ich zwei Tage in München mal frei habe, bin ich ja gleich da." Von Freiburg aus war's ja doch immer eine Riesen-Fahrerei nach Hause. Sara Däbritz ist zwar mittlerweile eine Weltreisende in Sachen Fußball, zu Hause ist's für sie aber immer noch am schönsten.
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