Das Abwehrproblem wird deutlich, die Offensive rackert ohne Ende - Fans feiern die Mannschaft ...
Bayern nach Barça zwischen Frust und Lust

Mit 5:0 besiegte die SpVgg SV Weiden in der Vorrunde die DJK Ammerthal. Hier eine Szene aus dem Spiel mit dem Weidener Thomas Wildenauer (links) und dem Ammerthaler Christian Richter. Am Samstag kommt es bei der DJK zum Rückspiel. Bild: A. Schwarzmeier
München. "Berlin, Berlin!" Nein, in diesem Jahr fahren sie nicht nach Berlin. Weder zum Endspiel um den DFB-Pokal, noch zum Champions-League-Finale. Der Glaube an das Wunder von München war nach einer Viertelstunde beendet. Neymar entpuppte sich mit seinen beiden Toren schnell zum Spielverderber. "Wir haben es nicht heute verloren, sondern im Hinspiel", lautete Philipp Lahms Fazit nach dem 3:2 im Rückspiel gegen den FC Barcelona. Dennoch sagen diese 90 Minuten sehr viel über die Münchner aus.

Die Defensive

16 Gegentore in bisher 32 Bundesligaspielen. Ein Defensivproblem? Laut Statistik lächerlich. Doch die Bayern haben Abwehrschwächen, die gegen Gegner wie Hannover, Bremen oder den HSV nicht auffallen. Aber in Europa wackelt die Defensivreihe bedenklich.

Wirklich internationales Format hat nur Jerome Boateng, der in beiden Spielen gegen Barcelona auch nicht seine besten Tage hatte. Rafinha? "Ist das ausreichend für ganz große Spiele", fragte nicht nur Oliver Kahn im ZDF zurecht. Nein, es reicht bei weitem nicht. Dante? Viel zu konfus. Holger Badstuber? Viel zu verletzungsanfällig. Mehdi Benatia? Zu behäbig. Das Barça-Trio Messi, Neymar, Suarez mag genial sein, am Dienstagabend reichten ein profanes Zuspiel und eine simple Kopfballverlängerung, um die Bayern-Abwehr auszuhebeln.

"Bei den Gegentoren waren wir zwei Mal in Unterzahl, da hatten sie leichtes Spiel", kritisierte Manuel Neuer. Der Bayern-Keeper kaschiert mit seinen Paraden schon die ganze Saison die Schwächen seiner Vorderleute.

Die Offensive

Zuletzt gab es eine amüsante Rechnung. "Bayern seit sechs Stunden ohne Tor", wurde nach den Spielen gegen Dortmund, Leverkusen, Barça und Augsburg groß getitelt. Im Rückspiel gegen Barcelona wurde die "Misere" beendet. Robert Lewandowski und Thomas Müller drehten mit ihren Toren die Partie "die wir nicht so hätten aus der Hand geben müssen". (Barça-Keeper Marc-André ter Stegen). Lewandowski beschäftigte Weltmeister Gerard Piqué und Vizeweltmeister Javier Mascherano ohne Ende. Müller kämpfte und rackerte 87 Minuten, immer unter Strom, immer gefährlich. "Wir hatten riesige Torchancen. Vier, fünf Hundertprozentige", beschrieb Boateng nur die ersten 45 Minuten. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob es mit Arjen Robben oder Franck Ribéry gereicht hätte. Wohl nicht. Barcelona ist grandios in Form, FCB-Boss Karl-Heinz-Rummenigge merkte richtig an: "Wenn man die 180 Minuten sieht, ist Barcelona verdient weiter."

Bayerns Ü-30-Generation

Vorsicht bei Bastian Schweinsteiger: Grandiose Leistungen waren dem 30-Jährigen schon bei der WM 2014 nicht mehr zugetraut worden, ehe er Deutschland zum Titel führte. Aktuell fehlt ihm aber die Dynamik, auch gegen Barça ging manches daneben. Xabi Alonso ist von den Gegnern schnell entschlüsselt worden. Schnell attackieren, dann wird der Spanier unsicher. Philipp Lahm kommt nach seiner langen Verletzungspause kaum in Schwung. Zudem war es einer der größten Fehler von Pep Guardiola, ihn vor zwei Jahren von der rechten Außenverteidigerposition ins Mittelfeld zu stellen. Robben und Ribéry sind auch schon über 30. Umbruch? "Das ist nicht mein Thema", sagt Schweinsteiger.

Die Fans

"Da kriegt man Gänsehaut, und das kommt bei mir nicht oft vor." Thomas Müller war beeindruckt - vom Auftreten der Fans am Dienstagabend. Minutenlang feierten noch viele der 70 000 Zuschauer nach Spielschluss die Ausgeschiedenen. Bayern-Fans gelten als verwöhnt, schnell wird gepfiffen. Erfolge werden routinemäßig registriert. "Es war heute eine sensationelle Stimmung, ich habe selten so etwas erlebt", sagte Philipp Lahm. Und der Bayern-Kapitän hat schon viel erlebt.

Mario Götze

Der kniffligste Fall bei den Bayern derzeit. Mario Götze gegen Barça 87 Minuten auf der Bank zu lassen und dann einzuwechseln, das hätte sich Guardiola sparen können. Das war eine Demütigung für den 22-Jährigen. Götze lieferte aber auch in der Rückrunde nie den Beweis, dass er zu seiner alten Dortmunder Stärke zurückfindet. "Ich finde es einfach unsäglich, wie auf Mario rumgehackt wird", empört sich Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff. Guardiola und Götze - das passt nicht. Matthias Sammer kennt das Problem: "Wir sind an seiner Seite. Er ist ein guter Kerl." Einen 37-Millionen-Flop können sich die Bayern nicht leisten. Ziehen lassen sollten sie Götze nicht. Auch bei der WM 2014 tauchte er häufig ab, um dann mit seinem Tor das Finale zu entscheiden. "Wir helfen ihm", sagte Sammer noch. Götze muss sich zuallererst selber helfen.
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