Das Christkind ist ein Cluberer

Niemand hatte es zu Saisonbeginn für möglich gehalten, dass das Zweitligaduell 1. FC Nürnberg gegen 1860 München am Montagabend ein Kellerduell sein würde. Bei den "Löwen" geht nun nach der Niederlage so richtig die Angst um.

Nürnberg. (mr) Ach wär doch das ganze Jahr über Weihnachtszeit, werden sich die Club-Fans denken: Das Christkind sorgt - wie am Montag - auf der Tribüne für himmlischen Beistand, zu den Bratwürsten gibts Glühwein und die Mannschaft spielt auch viel engagierter als sonst. Vorweihnachtlicher Frieden in Nürnberg - nicht ganz. "Das war ein Anfang, mehr nicht", stoppte Trainer René Weiler aufkommende Euphorie nach dem 2:1 (2:1) im bayerischen Zweitliga-Derby gegen 1860 München.

Der Sieg der Nürnberger (Platz 12/20 Punkte) gegen die "Löwen" (16./15) im Frust-Duell der zweiten Bundesliga war verdient, der neue Schweizer Trainer hatte sich aber doch etwas geärgert. "Am Ende war es spannender, als es hätte sein müssen." Die Club-Fans unter den knapp 32 000 Zuschauern warteten nach dem 1:0 (14./Alessandro Schöpf) und 2:0 (17./Jakub Sylvestr) auf das dritte Tor. "Das müssen wir uns wirklich ankreiden lassen, dass wir es nicht gemacht haben", sagte Robert Koch. Chancen gab es einige. Später trafen die Nürnberger doch noch - durch Jürgen Mössmer ins eigene Tor (28.). Die "Löwen" brüllten kurz laut, danach wurden sie aber wieder gebändigt. "Defensiv machen wir das schon sehr gut", lobte Weiler seine Jungs. Und nach vorne habe er schon Fortschritte gesehen. Er dürfte aber auch bemerkt haben, dass zu viel an der Tagesform von Schöpf und Sylvestr hängt. Dem Club fehlt einfach eine weitere starke Offensivkraft.

Den Sechzigern fehlten durchschlagskräftige Angreifer in Nürnberg komplett. Der Ausfall der Torgarantie Ruben Okotie (10 Tore bisher) war nie zu kompensieren. Irgendwie war es nicht schlecht, was die Münchner boten. Es war aber irgendwie auch nicht gut. "Schade, wir konnten die ersten Abschlüsse nicht nutzen", meinte Trainer Markus von Ahlen zu den zwei guten Chancen in den ersten fünf Minuten. Geschwächt durch eine zweifelhafte Gelb-Rote Karte von Martin Angha (58.) ging danach kaum noch was.

"Kurz vor knapp"

"Der Club hat das dann einfach clever gemacht", urteilte 1860-Keeper Stefan Ortega, dem ob der Tabellensituation langsam mulmig wird: "Wir sind völlig im Arsch da unten. Die Leute lachen ja schon über uns." Daniel Adlung war völlig aufgelöst. "Jetzt ist es kurz vor knapp." Ruhig blieb nach außen nur Coach von Ahlen. Fast schon stolz verwies er darauf, dass zum Spielende sechs Nachwuchsspieler auf dem Platz gestanden hätten. "Die Mannschaft hat bis zuletzt alles versucht", lautete sein unerwartet positives Urteil.

Vor der Winterpause stehen für 1860 noch die Heimspiele gegen die Spitzenteams KSC und 1. FC Kaiserslautern an, ehe am 22. Dezember die Reise zu RB Leipzig geht. Deswegen gibt es an der Grünwalder Straße eine Horrorvision: Die Rote Laterne der zweiten Liga hängt zu Weihnachten am Christbaum der "Löwen".
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