"Das Match meines Lebens"

Für Serena Williams sind Siege schon Gewohnheit: Der Erfolg in Paris war der 20. in einem Grand-Slam-Finale. Bild: dpa

Novak Djokovic verließ den Platz als Verlierer, Serena Williams als große Gewinnerin. Während der Serbe weiter nicht in Paris gewinnen kann, bleibt die Amerikanerin die unangefochtene Nummer eins. Paris verzaubert hat aber ein anderer.

Novak Djokovic muss weiter auf seinen persönlichen Grand Slam warten, Serena Williams ist auf der Jagd nach Steffi Grafs Rekord dagegen einen weiteren Schritt weiterkommen. Bevor sich der serbische Weltranglisten-Erste am Sonntag im Finale der French Open dem Schweizer Stan Wawrinka mit 6:4, 4:6, 3:6, 4:6 geschlagen geben musste, feierte die amerikanische Nummer eins der Tennis-Welt am Samstag mit dem 6:3, 5:7, 6:2 gegen die Tschechin Lucie Safarova ihren 20. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Damit liegt sie nur noch zwei Triumphe hinter der deutschen Tennis-Legende. Graf hat in ihrer Laufbahn insgesamt 22 Major-Events gewonnen.

Djokovic saß nach dem geplatzten Traum von seinem persönlichen Grand Slam gedankenverloren auf seinem Stuhl. Während der Schweizer Stan Wawrinka seinen zweiten Grand-Slam-Titel mit seiner Familie und seinem Trainerteam in der Spielerbox feierte, starte Djokovic einfach ins Leere. Auch im dritten Paris-Finale konnte sich der Serbe seinen großen Wunsch vom Triumph im Stade Roland Garros nicht erfüllen.

Djokovic verpasste es durch die Niederlage, sich den Status als einer jener Spieler zu sichern, die alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen haben. In Melbourne, Wimbledon und New York hat er bereits triumphiert. Nur auf der roten Asche in der französischen Hauptstadt will es einfach nicht klappen. Bislang ist dies erst sieben Spielern gelungen, seit Einführung des Profitennis 1968 schafften es sogar erst drei: Andre Agassi (1999), Roger Federer (2009) und Rafael Nadal (2010).

Als die Zuschauer ihn bei der Siegerehrung trotz der bitteren Niederlage mit minutenlangem Applaus feierten, standen dem sonst immer so starken Serben sogar die Tränen in den Augen. "Es ist nicht einfach für mich, jetzt etwas zu sagen. Glückwunsch an Stan, er ist ein verdienter Champion. Ich habe gegen einen besseren Spieler verloren."

"Besonderer Moment"

"Es war das Match meines Lebens", sagte Wawrinka nach seinem Erfolg. "Gegen Novak ist es immer verdammt schwer. Er ist ein großartiger Champion. Es ist ein ganz besonderer Moment für mich", sagte der Eidgenosse, der 1,8 Millionen Euro Preisgeld kassierte.

In ihrem sechsten Grand-Slam-Duell boten Djokovic und Wawrinka den rund 15 000 Zuschauern auf dem ausverkauften Court Philippe Chatrier von Beginn an Sandplatz-Tennis der Extraklasse. Schon im ersten Aufschlagsspiel schlugen beide die gelbe Filzkugel bei einem Ballwechsel 39 Mal über das Netz. Djokovic trumpfte zunächst groß auf, aber dann übernahm Wawrinka immer mehr das Kommando. Mit Weltklasse-Schlägen brachte er die Nummer eins der Welt zur Verzweiflung. Mit seinem besten Schlag, der einhändigen Rückhand die Linie entlang, machte er seinen verdienten Triumph perfekt und zählt nun endgültig zu den besten Spielern auf diesem Planeten.

Meiste Zeit im Bett

Serena Williams hatte am Tag zuvor ihre skurrilen French Open mit ihrem 20. Grand-Slam-Titel gekrönt. Zum fünften Mal im Laufe des Turniers musste die Amerikanerin über drei Sätze gehen, fand aber auch gegen Safarova einen Weg, die Partie für sich zu entscheiden. Und das, obwohl sie weiter von einer starken Erkältung geplagt wurde und in den Stunden zwischen Halbfinale und Endspiel die meiste Zeit im Bett gelegen hatte.
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