Dempsey bestochen?

Der zwischenzeitlich verstorbene Neuseeländer Charles Dempsey war bei der entscheidenden Abstimmung im Juli 2000, die Deutschland mit 12:11 gegen Südafrika gewonnen hat, kurzfristig nicht anwesend. Laut Aussage von Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger soll Dempsey dafür 250 000 Dollar erhalten haben. Bild: dpa

Wolfgang Niersbach wird noch nicht dem Bundestags-Sportausschuss Rede und Antwort stehen. Der DFB-Chef gerät durch Aussagen seines Vorgängers weiter unter Druck. Theo Zwanziger konkretisiert zudem den Verdacht eines "Schmiergeldteppichs" um die WM-Vergabe 2006.

In der immer bizarreren Sommermärchen-Affäre rückt wieder Wolfgang Niersbach voll in den Mittelpunkt. Der DFB-Präsident lässt den drängenden Bundestag auf Antworten warten und gerät durch eine Aussage seines Vorgängers Theo Zwanziger weiter unter Druck. "Es war 2002 kein Alleingang von Franz Beckenbauer, die Führungsspitze des OK war eingeweiht, also Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Fedor Radmann", sagte Zwanziger.

Als Kronzeugen verwendet der frühere Chef des Deutschen Fußball- Bundes den damaligen Organisationskomitee-Vorsitzenden Beckenbauer. Dieser hatte nach seiner Aussage vor den externen DFB-Ermittlern Fehler eingeräumt und das Verhalten anderer Beteiligter "teilweise als unsäglich" bezeichnet. Niersbach, der vorerst der Einladung des Sportausschusses nicht folgt, behauptet bislang, vor 13 Jahren von einer Zahlung an die Fifa-Finanzkommission noch nichts gewusst zu haben.

Unterdessen schürte Zwanziger am Dienstag neue Spekulationen um einen Stimmenkauf vor der WM 2006. Der frühere Verbandschef konkretisierte seinen Verdacht eines "Schmiergeldteppichs" und verweist auf eine mögliche Bestechung des Fifa-Funktionärs Charles Dempsey.

Dies lässt sich aus einer Notiz ableiten, die Zwanziger in einem 2012 veröffentlichten Dokument aus dem Verfahren gegen den ehemaligen Rechtevermarkter ISL gemacht hat. Dieses Schriftstück veröffentlichte die "Bild"-Zeitung (Dienstag) nach einem Treffen mit Zwanziger.

In der Auflistung von Überweisungen, die sich in der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug aus dem Jahr 2010 findet, steht neben einem Geldtransfer am 5. Juli 2000 über 250 000 US-Dollar die Bemerkung: "Dempsey!" Dass der inzwischen verstorbene Neuseeländer bei der Vergabe einen Tag später den Saal verlassen und somit in der letzten Runde keine Stimme abgegeben hatte, sicherte Deutschland im Duell mit Südafrika den WM-Zuschlag mit 12:11 Stimmen. Der Deutschen Presse-Agentur bestätigte Zwanziger, dass er die Notiz direkt nach Veröffentlichung vor drei Jahren gemacht hätte.

In den entscheidenden Wahl-Minuten habe er "nicht tolerierbaren Druck" verspürt, verriet Dempsey später. "Einflussreiche europäische Interessen-Gruppen" hätten ihm klargemacht, dass ein Votum für den eigentlichen Favoriten Südafrika Konsequenzen haben würde, ließ Dempsey wissen.

"Schmiergeldteppich"

"Dieser Schmiergeldteppich hat mich 2012 irritiert und zweifeln lassen, ob die Variante Provisionszahlung richtig ist", sagte der 70-Jährige auf Anfrage. "Ich sah es als meine Pflicht an, diese Ungereimtheiten dem DFB und früheren Mitgliedern des OK zu übermitteln und eine Prüfung anheimzustellen."
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