Der Club am Boden
Wut, Frust und ein Versprechen

Die Spieler haben alles probiert, aber sie konnten sich einfach nicht durchsetzen. Punkt. Schluss.

Die Euphorie war groß, die Erwartung auch. Der 1. FC Nürnberg gehört einfach in die Bundesliga, hieß es allerorten. Doch der Club spielt weiter gegen Sandhausen und nicht gegen den FC Bayern.

Nürnberg. Der Mann war einfach nicht zu halten. Er ließ alle stehen. Von rechts und links wurde versucht, ihn zu stoppen. Doch Raphael Schäfer war voll in Fahrt. Der Nürnberger Keeper sprintete schnurstracks in die Kabine und ward den ganzen Abend nicht mehr gesehen. Der 37-Jährige ist immer noch ein totaler Ehrgeizling. Der verpasste Aufstieg nach dem 0:1 im zweiten Relegationsspiel gegen Eintracht Frankfurt ließ ihn kommentarlos flüchten.

Die Chance durch Kerk


Jeder verarbeitet seine Enttäuschung, seinen Frust, seine Wut anders. Club-Coach René Weiler machte dies mit einer harten Analyse: "Ich muss ehrlich sein", sagte der Schweizer und blickte traurig in die Runde: "Über zwei Spiele gesehen, waren wir die schlechtere Mannschaft." Die Nürnberger zeigten nahezu in jeder Aktion ihre spielerischen Defizite. Zumindest hatten sie dieses Mal aber eine Torchance. Sebastian Kerk hätte nach zehn Minuten treffen können - vielleicht sogar müssen. Aber danach war die Frankfurter Hälfte für die Nürnberger, wie schon im Hinspiel, oftmals Sperrzone.

"Wir haben es dieses Mal schon besser gemacht", meinte Guido Burgstaller. Doch auch der Stürmer stand gegen das Eintracht-Bollwerk auf verlorenem Posten. Kapitän Miso Brecko sah ein paar gute Möglichkeiten, "die wir nicht konsequent zu Ende gespielt haben". Da zählte der Slowene aber schon Angriffsversuche mit, die die Wucht eines lauen Lüftchens hatten. Klartext sprach da noch einmal Weiler: "Die Spieler haben alles probiert, aber sie konnten sich einfach nicht durchsetzen. Punkt. Schluss."

Dass sich der Frust bei den Club-Fans unter den 50 000 Zuschauern in Grenzen hielt, lag daran, dass die Elf bei allen spielerischen Defiziten wieder alles gab. "Mit viel Herz" habe man gespielt, meinte Brecko. "Wir haben bis zum Schluss gekämpft", urteilte Georg Margreitter. Der österreichische Abwehrchef steht für das typische Club-Spiel: Der 27-Jährige haut sich in jeden Zweikampf, grätscht, köpft, aber sobald Ruhe am Ball oder der öffnende Pass gefragt sind, wird's problematisch. Dann wird der Ball meist vorne gedroschen.

Club weiter klamm


Margreitter, der beim entscheidenden Eintracht-Tor durch Haris Seferovic (66.) zu spät kam, wird auch kommende Saison beim FCN in der zweiten Liga spielen. Für einige Clubberer wird das nicht mehr gelten. Der FCN ist weiter klamm. Nach Niklas Stark (Hertha BSC) und Alessandro Schöpf (Schalke) werden weitere Leistungsträger die Franken verlassen. "Für die Substanz und Wirtschaftskraft des Vereins wäre der Sprung ein Segen gewesen", betonte Sportvorstand Andreas Bornemann. Sebastian Kerk und Niclas Füllkrug, die zwei Kreativen, die sich ausgerechnet in den Relegationsspielen eine Formkrise nahmen, dürften abwandern. Kerk kehrt nach seiner Ausleihe nach Freiburg zurück, Füllkrug nach Bremen. Auch Burgstaller gilt als Wechselkandidat. Hanno Behrens glaubt dennoch weiter an ein gutes Team: "Wir kommen wieder und greifen an."

Schäfer überlegt noch


Ob das mit Unterstützung von Raphael Schäfer passiert, ist weiter fraglich. Noch hat der Torwart-Oldie nicht erklärt, ober er weitermacht. Aber so wie am Montagabend will sich der so arg Gefrustete sicherlich nicht verabschieden.
Die Spieler haben alles probiert, aber sie konnten sich einfach nicht durchsetzen. Punkt. Schluss.Club-Coach René Weiler


Ein Quotenbringer, der Nerven kostetNürnberg. (dpa) Quoten-Garant fürs Fernsehen, Zusatzspiele für die Fans, finale Nervenprobe für die Aktiven: Mit der Wiedereinführung der Auf- und Abstiegsrelegation in der Bundesliga hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nicht nur für Begeisterung gesorgt. Eintracht Frankfurts Trainer Niko Kovac übte nach dem Klassenverbleib etwa Kritik am Modus. Die Belastung für Spieler und Trainer gehe "schon ins Unermessliche", sagte er am Montag nach dem 1:0 in Nürnberg.

Kovac sprach sich - bei einer Liga mit 20 statt bisher 18 Teams - für drei direkte Absteiger aus, wie es das von 1992 bis 2008 schon gab. Dass die Eintracht in die Zweitklassigkeit gerutscht wäre, hätte sie nicht als Drittletzter in die Relegation gedurft, verschwieg er. Ein Sieger der Relegation ist jährlich das Fernsehen, das mit einem starken Zuschauerschnitt zur Hauptsendezeit rechnen kann. Die Partie am Montag verfolgten 8,57 Millionen Zuschauer in der ARD. Der Marktanteil des Quotensiegers betrug 27,0 Prozent.
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