Der Coole flippt nur einmal aus

Für Marc-André ter Stegen ist die Triple-Saison noch nicht vorbei. Nach seinem zurückhaltenden Jubel über die Krönung seines FC Barcelona geht es für den Ex-Gladbacher zur U21. Vorher gibt es eine Sonderlob von Jogi Löw.

Selbst im Moment des größten Triumphs blieb Marc-André ter Stegen ganz cool. Seelenruhig schlenderte der Ex-Gladbacher nach seiner Champions-League-Krönung alleine durch den Strafraum und durfte sich als jüngster deutscher Torwart mit Königsklassen-Titel über ein Sonderlob von Joachim Löw freuen: "Er hat sich mit diesem Titel für seine Beharrlichkeit und seine konstant guten Leistungen belohnt", schwärmte der Bundestrainer und prophezeite dem 23-jährigen Keeper von Barça "eine große Zukunft".

Nach einer "seriösen und sicheren" Leistung (Zeitung "Sport") beim 3:1 über Juventus Turin ließ sich ter Stegen auch vom Brasilianer Dani Alves, der ihm einen Ghettoblaster mit lauter Sambamusik ans Ohr hielt, nicht aus dem Konzept bringen. "Es ist einfach geil, dass wir das Ding geholt haben", jubelte der Schlussmann, der erst vor dieser Saison zu den Katalanen gewechselt war. Bevor er bei der anstehenden U21-EM sein persönliches Titel-Quadruple perfekt machen will, präsentierte sich ter Stegen nach dem Abpfiff im Berliner Olympiastadion fast schon erschreckend gelassen. Während Neymar & Co. ihren Jubellauf zu den Barça-Fans starteten, genoss er den Augenblick im Stillen. Erst langsam marschierte ter Stegen zum Mittelkreis, gab allen Verlierern die Hand und umarmte den 14 Jahre älteren Juve-Keeper Gianluigi Buffon. "Ich war einfach sehr zufrieden in dem Moment und da fällt natürlich eine Last ab, wenn man im Champions-League-Finale gegen einen hervorragenden Gegner gewinnt", erklärte der Youngster seine Zurückhaltung.

Auch bei der Siegerehrung blieb der frühere Bundesliga-Profi im Hintergrund, präsentierte als einer der letzten den Henkelpott. "Die Fotos sind die kleinen Erinnerungen, die bleiben. Aber die großen bleiben im Kopf und im Herzen", schwärmte ter Stegen von den Glücksmomenten.

Vom fünften deutschen Profi, der die Königsklasse mit einem ausländischen Club gewann, wird eine annähernd tadellose Leistung im Gedächtnis bleiben. Wenig geprüft strahlte ter Stegen Ruhe und Gelassenheit aus, zeigte als Prototyp des modernen Torwarts durch maßgenaue Pässe seine fußballerische Qualität. Vor dem Ausgleich wehrte er mit einem starken Reflex unglücklich vor die Füße von Alvaro Morata ab, einzig eine falsch eingeschätzte Ecke lässt sich als Fehler werten. Ter Stegen durfte diese Saison zwar im nationalen Pokal und der Königsklasse, aber eben nicht in der Primera Division. Auf Fragen nach seiner dortigen Ersatzrolle hinter Claudio Bravo reagierte der sonst so gelassene Keeper unwirsch: "Ich freue mich einfach über die Champions-League und alles andere über die Liga und warum ich da nicht spiele, das ist mir einfach scheißegal."
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