Der frühere Weltklasse-Torhüter von Borussia Dortmund wird 80 - Gegner der Torlinientechnik
Hans Tilkowski und das Wembley-Tor 1966

Dieses Bild ist WM-Geschichte. Mit dem sogenannten Wembley-Tor erzielte Geoff Hurst 1966 im Finale gegen Deutschland das 3:2 für England. Hans Tilkowski war machtlos. Bild: dpa
Hans Tilkowski lehnt die Torlinientechnik ab. Nicht nur, weil ihm der Mythos des Wembley-Tores einen Großteil seines Ruhms einbrachte. "Ich bin dagegen, weil dadurch die Attraktivität des Fußballs und die Diskussion um Fußball verloren geht", meint der legendäre Torhüter, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert. "Wer wird zukünftig noch jahrelang über so ein Tor wie das von Wembley sprechen können?"

Das 3:2 des Engländers Geoff Hurst im WM-Finale von 1966 gegen Deutschland sorgt auch nach 49 Jahren noch für Diskussionen. Ungeklärt ist bis heute, ob der Ball von der Lattenunterkante mit vollem Durchmesser hinter der Torlinie aufsprang. Deutschland verlor am Ende mit 2:4.

Drin oder nicht? "Ob in Dortmund oder Herne: Wenn Leute mich ansprechen, ist es immer die aktuellste Frage", sagt Tilkowski. Ihn selbst hat die Suche nach der Antwort lange verfolgt und gequält: "Heute nehme ich es gelassener. Es gibt Schlimmeres. Der Sport gibt solche Sachen eben her."

Auch wenn Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern ärgerlich sind, wehtun und die betroffenen Vereinen viel Geld kosten können, hält der einstige Straßenfußballer von technischen Hilfsmitteln nichts. "Ich habe Angst, dass das, was den Fußball immer ausgemacht hat, verloren geht. Diskussionen sind wichtig, das brauchen die Leute", sagte Tilkowski. "Und was will man damit bezwecken? Mehr Gerechtigkeit?"

Das Wembley-Tor ist ein historisches Ereignis, aber es ist auch nur ein Punkt in der Karriere von Tilkowski, der in den 60er Jahren zu den weltbesten Keepern neben dem Engländer Gordon Banks und dem Russen Lew Jaschin zählte. Ein Jahr vor dem WM-Finale wurde der 39-malige Nationalspieler als erster Torwart zum "Fußballer des Jahres" gewählt.

Beste Zeit in Dortmund

Der "König des Stellungsspiels" verlor 1966 das WM-Endspiel, gewann aber mit Borussia Dortmund als erster deutscher Club gegen den FC Liverpool (2:1) den Europapokal der Pokalsieger. Beim BVB hatte Tilkowski, der 1955 bei Westfalia Herne seinen ersten Profivertrag unterschrieb, von 1963 bis 1967 seine beste Zeit. Und noch immer sitzt er bei den Heimspielen auf der Tribüne und erlebte hautnah, wie sein Club in der vergangenen Bundesligasaison ins Taumeln geriet.

Trainer bei Club und 1860

1967 wurde Tilkowski, nicht ganz freiwillig, an die Eintracht nach Frankfurt verkauft, bei der er noch drei Jahre spielte. Danach erwarb er seine Fußballlehrer-Lizenz und arbeitete als Trainer bei Werder Bremen, 1860 München, beim 1. FC Nürnberg, dem 1. FC Saarbrücken und AEK Athen. "Ich habe so beide Seiten sehen können, aber auch, wie ohnmächtig ein Trainer sein kann", sagt er. "Eine Minute vor dem Anpfiff war alles zur Partie besprochen, doch nach fünf Spielminuten habe ich gedacht, Chinesisch gesprochen zu haben." Nach gut einem Jahrzehnt als Trainer zog er sich aus dem Fußballbetrieb zurück, kümmerte sich um sein Geschäft und engagierte sich für Schwerkranke und Arme. Sein Ruhm als einer der Großen des Fußballs öffnet ihm dabei viele Türen. "Ich bin dankbar und sage zum Ball: Alter Freund, ich danke dir!"
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