Der Internationale Sportgerichtshof
Hintergrund

Berlin. (dpa) Der Internationale Sportgerichtshof CAS urteilt seit mehr als 30 Jahren als letzte Instanz bei Streitfällen im Sport. Grundlage des "Court of Arbitration for Sport" mit Sitz in Lausanne sind vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geschaffene Statuten. In den 90er Jahren wurde der CAS nur in wenigen Fällen angerufen, inzwischen entscheiden die mehr als 300 von den Sportverbänden ausgewählten Richter jährlich Hunderte Verfahren.

Das Urteil des Münchner Oberlandesgerichts im Fall Claudia Pechstein greift die Unantastbarkeit des CAS vehement an. Rechtsexperten mahnen Reformen an. Der Deutsche Olympische Sportbund hat sich aufgrund der Erkenntnisse aus der Causa Pechstein dafür stark gemacht, die Rechte der Athleten bei CAS-Verfahren zu erweitern.

Er plädiert dafür, dass abgeschlossene Verfahren wieder aufgerollt werden können, wenn sich "neue Aspekte und Befunde" ergeben. Anhörungen sollten öffentlich sein und in der Landessprache des betroffenen Athleten abgehalten werden. Angeregt wurde ein Fonds "für juristische Hilfe", damit auch finanziell klamme Sportler ihre Rechte vor dem Schiedsgericht wahrnehmen können.

Kritiker bemängeln, dass bei den Schiedsverfahren bis zu einem Jahr bis zum Urteil vergehen kann. Nachdem sich der Leichtathletik-Weltverband IAAF (2001) und der Fußball-Weltverband FIFA (2002) erst nach langem Zögern der CAS-Gerichtsbarkeit unterwarfen, haben zuletzt auch Rugby und die Formel 1 den CAS zumindest in Dopingfällen als letzte Rechtsinstanz anerkannt.

Nur in 30 Prozent der Fälle vor dem CAS geht es allerdings um Doping. Die Richter müssen sich zu 60 Prozent mit Rechtsfragen im Fußball - meist mit Transferstreitigkeiten oder Spielberechtigungen - beschäftigen. In zehn Prozent der Fälle stehen kommerzielle Dispute wie Fernseh- und Sponsorenverträge zur Prüfung an.
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