Der Killerinstinkt fehlt

Die DFB-Frauen verzückten gegen den EM-Zweiten Norwegen 45 Minuten lang mit Fußball vom Feinsten. Zwar sprang am Ende "nur" ein 1:1 heraus, doch als Spitzenreiter der Gruppe B hat die Neid-Elf beste Aussichten auf den Gruppensieg. Alle freuen sich auf Winnipeg.

Trotz des ersten Punktverlustes bei der WM in Kanada haben die DFB-Frauen ihre Fans gegen Norwegen mit Fußball vom Feinsten verzückt. Die Elf von Trainerin Silvia Neid geht nun als klarer Favorit auf den Gruppensieg ins Vorrunden-Finale. "Das war teilweise grandios gegen so einen starken Gegner wie Norwegen", lobte Neid die tadellose Vorstellung ihrer Schützlinge in den ersten 45 Minuten, in denen sie den WM-Mitfavoriten an die Wand gespielt hatten. "Sie haben absolute Spielfreude gezeigt und Spaß gehabt. Sie waren kaum zu stoppen."

Wenn die sonst eher kritische Bundestrainerin in ihrer Spielanalyse zu Superlativen greift, war die Leistung ihres Teams nahe an der Perfektion. "Ich fand uns irgendwie besser als Norwegen", ergänzte Neid wohl wissend, dass ein Punkt beim 1:1 (1:0) in der Neuauflage des EM-Finals 2013 im Lansdowne-Stadion eigentlich eine unangemessene Ausbeute war.

27:4 Torschüsse zugunsten der DFB-Elf zählten die Statistiker in dem Duell vor 18 987 Zuschauern, das auch nach dem Empfinden von Norwegens Trainer-Fuchs Even Pellerud zur Halbzeit längst hätte entschieden sein können. "Ich glaube, sie wussten gar nicht wo vorne und hinten ist", meinte DFB-Keeperin Nadine Angerer. Pellerud sah es genauso: "Die Deutschen hätten uns killen können", stellte der Coach fest. Über die leidenschaftslose Vorstellung seiner Elf in Hälfte eins war der 61-Jährige entsetzt und musste seine Spielerinnen in der Pause wachrütteln. Unter dem Strich standen die Tore von Anja Mittag (6.) und der eineinhalb Jahre für Turbine Potsdam aktiven Maren Mjelde, die in der 61. Minute einen Freistoß aus 17 Metern in den Winkel zauberte. "So einen Freistoß schießt sie nur einmal im Jahr", merkte Alexandra Popp an. Angerer, die ansonsten nur in der 43. Minute gegen die frei vor ihr auftauchende Isabell Herlovsen ihr Können aufbieten musste, zuckte nur kurz, realisierte dann schnell die Aussichtslosigkeit, den Ball zu halten. "Ich dachte erst, der ist nicht schlecht. Zu springen wäre verschwendete Energie gewesen", gestand die Weltfußballerin von 2013.
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