Der nächste Neureuther-Coup

Eine starke Fahrt zeigte auf der schwierigen und längsten Weltcup-Abfahrt Tobias Stechert. Er sicherte sich mit Platz 7 das WM-Ticket. Bild: dpa

Wieder ein Slalom-Sieg für Felix Neureuther, ersehntes WM-Ticket für Tobias Stechert. So gut wie der Abfahrer als Siebter war bei der Lauberhorn-Schussfahrt seit 23 Jahren kein Deutscher mehr. Die deutschen Skirennfahrer machen Lust auf die WM in zwei Wochen.

Nach der nächsten Slalom-Gala glänzte Felix Neureuther einmal mehr auch als Entertainer. Bei der Siegerehrung des Weltcups in Wengen scherzte der WM-Zweite auf der Bühne, dankte tausenden Ski-Fans auf Schwyzerdütsch und wollte neben allerhand Trophäen und Geschenken unbedingt ein Erinnerungsfoto mit dem eigenen Handy gemacht bekommen.

"Als Kind träumt man davon, in Wengen und Kitzbühel zu gewinnen. Diese Slaloms haben einfach die meiste Tradition", schwärmte der 30-Jährige nach dem zweiten Erfolg auf dem Hang, auf dem einst schon sein Vater Christian siegte. "Wengen ist so ein spezieller Ort. Hier musst du ein kompletter Skifahrer sein, um ganz vorne zu sein."

Dabei sah es erst gar nicht nach Neureuthers elftem Weltcuperfolg aus. Ein Migräneanfall gepaart mit Sehstörungen behinderten ihn, Rang fünf nach dem ersten Durchgang war auch noch nicht der Siegkurs. "Dass es mir so aufgegangen ist, war sicher eine Frage des Glücks, aber auch eine Frage des Willens. Aber eigentlich hatte ich ein ganz anderes Erfolgsgeheimnis", meinte Neureuther - und scherzte über ein Abendessen im selben Restaurant, in dem der vorjährige Abfahrtssieger Patrick Küng gespeist hatte. "Der dortige Koch hat mir ein geniales Essen gezaubert. Und zur Info für alle Abfahrer: Ich hatte den Josef Ferstl auch dabei", witzelte Neureuther. Ferstl bekam die Leckerei aber nicht ganz so gut: Bei schwierigen Bedingungen schaffte er es in der Abfahrt am Sonntag mit hoher Startnummer nur auf Platz 34.

Das letzte Mal 1992 so gut

Dagegen nutzte Teamkollege Stechert seine frühe Fahrt bei dem Klassiker, der mehrfach unterbrochen wurde, und raste als Siebter zum WM-Ticket. Den Sieg sicherte sich Hannes Reichelt aus Österreich. So gut wie Stechert aber war seit Markus Wasmeier 1992 auf Rang zwei kein deutscher Speedfahrer mehr im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau.

"Unten muss man erstmal brutal schnaufen, da brennen die Oberschenkel", schilderte Stechert die Strapazen auf der mit knapp 4,5 Kilometern längsten Weltcup-Abfahrt. Während der 29-Jährige zurückhaltend nur ein "gutes Gefühl" für Kitzbühel in einer Woche und die WM vom 2. bis 15. Februar im amerikanischen Vail mitnahm, klang Ferstl schon euphorischer. "Super. Ein Top-10-Platz ist für das ganze Team super, egal wer das holt", erklärte der bereits für die Weltmeisterschaften qualifizierte 26-Jährige.

Dort ist Neureuther neben Fritz Dopfer, der am Samstag Siebter wurde, der aussichtsreichste deutsche Medaillenkandidat. "Das war einfach eine Meisterleistung und er hat kein Glück gehabt, sondern hat das zu jeder Zeit souverän nach unten gebracht", lobte Alpindirektor Wolfgang Maier den erfolgreichsten deutschen Weltcupfahrer und freute sich auch über Stecherts Vorstellung. "Das war ein Hammer-Rennen da runter. Da muss man ihm ein richtig gutes Lob geben, weil es eine sehr gute Vorstellung von ihm war." Durch seinen Sieg und das Aus von Österreichs Weltmeister Marcel Hirscher nach 29 Weltcup-Slaloms ohne Ausfall übernahm Neureuther auch wieder die Führung im Disziplin-Weltcup.
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