Der Oberpfälzer auf der Alm

Bielefelds neuer Torwart Wolfgang Hesl (rechts) hat den Ball. Sein Teamkollege Florian Dick (links) sichert ab. Hesl ließ beim Spiel auf St. Pauli keinen Treffer zu, die Arminen holten ihren ersten Zweitligapunkt. Am Freitag spielt der Oberpfälzer erstmals auf der Alm. Zu Gast ist der FSV Frankfurt. Bild: dpa

Eine Alm, mitten in der Stadt - das gibt's nur in Bielefeld. Statt Idylle, Stille und Natur pur ist es hier aber richtig laut. Die Arminia ist hier zu Hause. Und seit dieser Saison auch Wolfgang Hesl.

Bielefeld/Schwarzenfeld. (mr) Es gibt mehrere Versionen, wie das Stadion der Arminia zu seinem ungewöhnlichen Namen gekommen ist. "Ich hab' nur gehört, da sei hier früher einfach eine Wiese gewesen", kennt Wolfgang Hesl eine Erklärung. Es gibt noch andere Erzählungen, aber die sind ihm egal. Der 29-Jährige soll hier nur ordentlich arbeiten und das klappt beim Zweitliga-Aufsteiger schon ganz gut: "Ich glaube, mit dem 0:0 am ersten Spieltag auf St. Pauli haben wir gezeigt, dass wir in der Liga mithalten können."

Der Torwart aus Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf), der im Sommer überraschend von der SpVgg Greuther Fürth nach Ostwestfalen wechselte, hat sich auch dort gleich durchgesetzt. "Ich bin ja nicht hierher gekommen, um auf der Bank zu sitzen", sagt er. Die Arminen mit ihrem Trainer Norbert Meier haben mit Daniel Davari noch einen weiteren Erstliga erprobten Keeper (Braunschweig) verpflichtet. Hesl überzeugte in der Vorbereitung aber den Coach, ihn zur Nummer eins zu machen. Trotz des Konkurrenzkampfes sagt Hesl: "Wir verstehen uns gut."

Vor einigen Monaten war eigentlich undenkbar, dass "Wolle" im Tor des Traditionsclubs stehen würde. Der hochaufgeschossene Keeper war in Fürth ein Fixpunkt: Kapitän, Sprachrohr der Mannschaft, Antreiber, stets einer der Besten. Ein neuer Vertrag schien nur Formsache. "Aber ich wurde dann immer wieder vertröstet", blickt er zurück. Die Vorrunde ging vorüber, die ersten Spiele der Rückrunde. Nichts passierte. Dann war der Verein in höchster Abstiegsgefahr, die handelnden Personen hatten keine Planungssicherheit. "Ich hatte dann auch mal das Gefühl, dass sie gar nicht verlängern wollen." In der Woche nach dem letzten Spiel beschloss er mit seiner Frau Stefanie: "Wir machen was Neues." Es gab auch Anfragen aus der ersten Liga: Aber dort, so sagt er, hätte er wohl auf der Bank sitzen müssen. "Aber ich bin jetzt mit 29 im besten Torwart-Alter. Ich will spielen." Das darf er bei der Arminia. Dem letztjährigen Pokal-Halbfinalisten traut er den Klassenerhalt auf jeden Fall zu: "Alle Leistungsträger sind geblieben."

Angebot des FC Fulham

Auf seine Lieben braucht der Keeper auch nicht oft zu verzichten: Seine Frau Stefanie und Töchterchen Fiona (gut sechs Monate alt) kommen immer wieder vom Oberpfälzer in den Teutoburger Wald. "Sie sind mal in Schwarzenfeld, mal hier". Auch er selbst will, wenn es die Zeit erlaubt, immer wieder nach Schwarzenfeld heimkommen. Mit ihrer Entscheidung sind die Hesls glücklich, doch der gebürtige Nabburger hat auch weiter diesen Traum: Einmal für einen englischen Klub zu spielen. Jetzt verriet Hesl, dass es schon vor einem Jahr fast so weit gewesen wäre. Felix Magath war damals Trainer des Premier-League-Absteigers FC Fulham, wollte den Torwart unbedingt nach London holen. "Fürth sagte Nein", erinnert sich Hesl und konnte dieses Nein auch akzeptieren. Er hatte Vertrag, Fürth hätte damals auch keinen weiteren Aderlass verkraften können.

Magath ist schon lange nicht mehr Trainer in Fulham. Für Hesl ist das Thema England derzeit auch keines. Er will jetzt erst einmal kräftig auf der Alm an- und zupacken.
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