Der vierte Titel
Bayern-Trainer Guardiola grüßt Jupp

Nur ein Trostpreis? Nein, die Bayern sehen den vierten Meistertitel am Stück als Genugtuung. Das Pokalfinale bestimmt nun die Gesamtnote der letzten Pep-Saison. Guardiola beeindruckt mit einer feinen Geste.

Ingolstadt. Der historische Titel wirkte bei den Münchner Meisterkickern wie ein starkes Schmerzmittel. Ohne Meisterschale und Weißbierduschen jubelten sie angeführt von Einpeitscher Thomas Müller mit einem Megafon auf dem Ingolstädter Rasen noch recht verhalten. Aber nach den ersten Bierchen in der Kabine steigerte sich die Laune auf der kurzen Heimfahrt bis zur Late-Night-Party im Restaurant von Promi-Koch Alfons Schuhbeck in der Münchner Innenstadt.

Das Lächeln kehrt seit Samstag zurück beim großen FC Bayern, der mit dem 2:1 auf der kleinen Fußballbühne des Aufsteigers FC Ingolstadt seinen 26. Meistertitel perfekt machte. "Der Titel wird uns ein bisschen die Wunden schließen lassen, die es am Dienstag ohne Frage gegeben hat", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angesichts der Nachwirkungen des verpassten Champions-League-Endspiels.

Als Trostpreis mochten die Bayern-Stars die geschichtsträchtige Leistung von vier Meistertiteln am Stück in der Bundesliga aber nicht bewerten. "Der Rekord war unser großes Ziel", sagte Kapitän Philipp Lahm. "Was wir dieses Jahr wieder geleistet haben, ist überragend", erklärte Thomas Müller: "Jetzt lassen wir die Sau raus und schauen danach, wie wir beisammen sind." Pep Guardiola setzte keine Grenzen: "Die Spieler müssen feiern." Der Spanier gab drei Tage frei. Erst danach wird die Arbeit wieder aufgenommen für das große Abschiedsspiel des Trainers. "Das Ziel ist ganz klar, das Double zu gewinnen", verkündete Lahm mit dem Blick auf das Pokalendspiel gegen Dortmund am 21. Mai in Berlin.

"Auf dieses Finale kann sich Deutschland freuen. Das wird ein Highlight der Saison werden", sagte Rummenigge. Der Bayern-Chef will das letzte Guardiola-Jahr erst nach dem "Fifty-fifty-Spiel" bewerten. "Ich möchte noch zwei Wochen warten. Das Spiel ist wichtig für uns", sagte der 60-Jährige. Es fehlt einfach die Krönung in Europa. Die Champions-League sei eben "der größte aller Club-Titel", aber eben auch der schwierigste, so Rummenigge. Die Meisterschaft sei dagegen der "ehrlichste Titel". Ein Zeichen der Stärke über ein ganzes Jahr, über 34 Spieltage. "4EVER Deutscher Meister", stand auf den Meistershirts, es war intern das Saison-Motto gewesen.

Guardiola stülpte sich das Shirt doch noch über seinen feinen Anzug, bevor er in der Pressekonferenz den Serientitel bescheiden Jupp Heynckes widmete. Sein Vorgänger hatte 2013 beim einzigartigen Bayern-Triple die aktuelle Bundesliga-Dominanz eröffnet. "Ich möchte diesen vierten Titel mit Jupp Heynckes teilen", sagte Guardiola: "Jupp, das ist für Dich!" Auch an Borussia Dortmund richtete der 45-jährige Katalane nach seinem 20. Titelgewinn als Trainer ein großes Kompliment: "Der BVB war ein richtiger Konkurrent."

Ralph Hasenhüttl, der nach seinem Abschiedsspiel als FCI-Trainer vor eigenem Publikum Tränen vergoss, rühmte den zu Manchester City weiterziehenden Guardiola in höchsten Tönen. "Pep, du bist nicht nur ein Riesentrainer, du bist auch unglaublich bescheiden. Wenn es sich jemand verdient hat, dann bist du es. Du hast diese Mannschaft noch mal auf eine unglaubliche Stufe gehoben", sagte der Österreicher, der für seinen Wechsel zu RB Leipzig auch Pfiffe einstecken musste.
Was wir dieses Jahr wieder geleistet haben, ist überragend.Thomas Müller
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