Der Wahnsinn
FC Liverpool räumt Dortmund aus dem Weg

Kein Mitleid mit dem früheren Club: Liverpool-Trainer Klopp geriet nach dem denkwürdigen Europapokal-Abend gegen Borussia Dortmund ins Schwärmen. Auch die englische Presse schrieb Lobeshymnen über den Deutschen.

Liverpool. Jürgen Klopp war geschafft, aber überglücklich. Erst nach einer Ehrenrunde durch das bebende Anfield fiel die Spannung von ihm ab. "Heute Abend war es brillant, überragend, wundervoll, emotional. Alles zusammen", schwärmte der Coach des FC Liverpool nach dem denkwürdigen 4:3 (0:2) gegen seinen ehemaligen Club Borussia Dortmund. Mit leuchtenden Augen fügte er an: "Dies werde ich niemals vergessen. Es war speziell."

Mit dem Auftritt seiner Mannschaft pflegte Klopp seinen Ruf als Meister der Motivation. In scheinbar aussichtsloser Lage erwiesen sich seine Profis als wahre Mentalitätsmonster und zwangen den Gegner trotz eines 0:2- und 1:3-Rückstands mit unbändiger Wucht in die Knie. "Im Fußball, wie auch im normalen Leben, ist das dann ein Moment, in dem man Charakter zeigen muss. Dies haben die Spieler getan, und es war verdammt gut anzusehen", erklärte er.

Ähnlich euphorisch wie sein Coach kommentierte Liverpools deutscher Nationalspieler Emre Can den irren Schlussakt mit dem Höhepunkt durch Dejan Lovrens Kopfballtreffer zum 4:3 in der ersten Minute der Nachspielzeit: "Was wir heute gezeigt haben, was die Fans gezeigt haben - so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich bin einfach nur stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein."

Torschütze Divock Origi sah in Klopps Halbzeitansprache den wichtigsten Faktor. "Er war sehr ruhig, überraschend ruhig", erklärte der Belgier. "Es spricht für die Klasse eines Trainers, wenn er nicht in Panik verfällt. Er glaubte an uns, und am Ende hat es geholfen", ergänzte Origi.

Mit dem 4:3 über seine alte Liebe feierte Klopp den größten Erfolg seit seinem Amtsantritt am 8. Oktober 2015. Schließlich wahrte der Tabellenachte der Premier League seine Chance, als Sieger des Wettbewerbs doch noch in die Champions-League einzuziehen. Doch an diesem historischen Abend hatte er keine Lust, über die neue Saison zu reden. "Komm' schon, frag mich nicht so ein Sch ...", sagte Klopp im britischen Fernsehen.

Englische Pressestimmen"The Sun": "Der Tag, an dem Jürgen Klopp seine Reise von Gelb zu Rot beendete."

"The Mirror": "Jürgen Klopp hat sich heute Nacht selbst in die Folklore Liverpools eingereiht - die Fundamente für eine neue Ära des Erfolges sind gelegt."

"Daily Mail": "Borussia Dortmund hatte Klasse, aber Liverpool hatte etwas mehr. Etwas Undefinierbares. .... Sie waren geschlagen, sie waren kaputt. Und dann waren sie es doch nicht."

"Independent": "Jürgen Klopp beweist, dass er Wunder vollbringen kann. Liverpool erschien in dem Spiel bereits zweimal tot und beerdigt."

"The Times": "Es gibt Augenblicke im Leben, die immer im Gedächtnis der Menschen verbleiben."
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