Der Wille der Gierigen

Thomas Müller auf dem Weg zum Tor - in der Nachspielzeit. Er zog an Piräus-Keeper Roberto vorbei - und traf nur den Pfosten. Die Bayern sind auch in den letzten Sekunden trotz eines klaren Vorsprungs noch gierig. Bild: dpa

Schützenfeste gibt's im Herbst eigentlich keine. Wenn dann nur in der Münchner Allianz-Arena. Olympiakos Piräus war heilfroh, als die 92 Minuten vorbei waren. Die Bayern sind zufrieden - vorerst.

München. Dieser Mann will immer mehr: Die letzten Sekunden liefen. Thomas Müller hetzte wie wild dem Ball hinterher. Schiedsrichter Jonas Eriksson hatte die Pfeife schon im Mund, wollte das Spiel beenden. Mehr als 10 000 der 70 000 Zuschauer hatten die Arena bereits verlassen, die Partie war mit 4:0 eh längst entschieden. Da wollte Müller unbedingt noch dieses Tor - und scheiterte am Pfosten. Der Stürmer des FC Bayern ärgerte sich wahnsinnig.

Nach 20 Minuten 3:0

Warum, das erklärte er nachher. "Wir sind eine Super-Truppe, was die Gier betrifft." Satt-Sein kennen die Münchner nicht. "Bei uns haben viele schon viele Titel gewonnen, aber sie wollen mehr." Gegen Olympiakos Piräus wollte das Ensemble aus Welt-, Europa- und x-fachen nationalen Meistern sehr schnell viel: Nach 20 Minuten lagen sie 3:0 durch Tore von Douglas Costa, Robert Lewandowski und Thomas Müller vorne. Der starke Kingsley Coman machte in der zweiten Hälfte den 4:0-Sieg perfekt. Früher, so meinen mittlerweile viele, ging man zu den Bayern, um zu sehen, ob sie gewinnen. Heute gibt es vorher nur die eine Frage: Wie hoch gewinnen sie heute? Müller ärgert das: "Wir müssen immer hart dafür arbeiten." Nur bei seinem Treffer zum 3:0, sagte er schmunzelnd, gelte das nicht: "Den hätten hier vielleicht auch ein paar Journalisten reingebracht." Arjen Robben hatte uneigennützig aufgelegt, so als wollte der Holländer die Ego-Diskussion um ihn öffentlich beenden. Müller hörte derweil gar nicht auf, seinen Mitspieler zu loben: "Arjen stand sehr gut und hat mich super bedient."

Arjen Robben ist auch so einer, der auch immer mehr will. Aber ob der darf? Mit Muskelproblemen ließ er sich nach einer halben Stunde auswechseln. "Arjen ist sehr intelligent. Er kennt seinen Körper, und sein Gefühl war nicht top", lobte Trainer Pep Guardiola Robbens Einsicht. Die Bayern gehen derzeit von keiner schwereren Verletzung aus.

Ob mit oder ohne Robben, Guardiola will ohnehin immer mehr. "Mit dem Ball waren wir dieses Mal nicht perfekt, haben viele Bälle leicht verloren, ohne Ball war es gut", hatte der Spanier nach dem Spaziergang gegen Piräus auch etwas zu meckern. Das war's aber: "Ich bin sehr zufrieden. Wir wollten den Gruppensieg. Das haben wir geschafft." Dass seine Mannschaft nicht noch mehr Tore schoss und durch Holger Badstubers Rote Karte (siehe Kasten) kurzfristig etwas außer Tritt kam - egal.

Dem Coach der Griechen, Marco Silva, blieb danach nur die Erkenntnis: "Bayern ist das beste Team in Europa, diese Niederlage haben wir erwartet." Wer das beste Team in Europa ist, wird aber nicht im Herbst entschieden: "Die Gruppenphase ist nicht entscheidend", meinte auch Kapitän Philipp Lahm. "Die Preise werden am Ende verteilt." Wichtig sei erst einmal, im Achtelfinale den Schwergewichten aus dem Weg zu gehen. Und, so mutmaßt er: "Insgesamt können diese Saison wieder fünf, sechs Teams die Champions-League gewinnen." Auch Müller befand, "dass wir gut in der Spur sind". Dennoch werde es ein sehr harter Weg. "Aber natürlich wollen wir das Ding gewinnen." Die Münchener Bayern wissen ganz genau, im April und Mai, da müssen sie noch viel, viel mehr wollen.
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