Der "Witz" des Jahres

Der Augsburger Markus Feulner (Zweiter von rechts) ist kurz nach dem Pfiff außer sich, schreit den Schiedsrichter-Assistenten an. Robert Kempter hatte eine normale Aktion als Elfmeter für den FC Bayern gewertet. Kempters Chef Knut Kircher (rechts) gab nach einigem Zögern den Strafstoß und bereute dies später. Bild: dpa

Normal sind Torjäger, Torhüter und Verteidiger die Hauptakteure in einem Fußballspiel. Am Samstag beim Derby in München übernahmen der Schiedsrichter und einer seiner Assistenten die Hauptrollen.

München. Manchmal ist es ein Segen, wenn man kein Deutsch spricht. Und so konnte Douglas Costa unbehelligt die Arena verlassen, brauchte nicht einmal die großen Kopfhörer aufzusetzen, um von den Journalisten nicht belästigt zu werden. Aber was hätte der Brasilianer auch sagen sollen. Diese, das Spiel entscheidende Szene sprach eh klar für sich.

Costa hatte am Samstag nicht seinen besten Tag, aber das war nach dem 2:1 (0:1) seiner Bayern gegen den FC Augsburg auch nicht das Thema. Der Neuzugang der Münchener war trotzdem Hauptdarsteller, als er in vorletzter Minute einen Elfmeter herausholte, den Thomas Müller in letzter Minute zum Siegtor des Rekordmeisters verwandelte. Markus Feulner, auf dessen Oberkörper Costa geprallt war, mochte sich ob der klaren Tatsachen gar nicht richtig entrüsten. Nur süffisant lächelnd zählte er auf: "Soll ich mich in Luft auslösen? Ich mache auch keine aktive Bewegung Richtung Costa." Feulner, der gebürtige Scheßlitzer (Kreis Bamberg), der sein Fränkisch mittlerweile in bestes Hochdeutsch geschliffen hat, scheint auch ein paar Brocken Portugiesisch im Repertoire zu haben: "Ich habe mit Douglas gesprochen", berichtete Feulner. Er habe dem Brasilianer keinen Vorwurf gemacht: "Er macht das Beste für seine Mannschaft." Heftige Vorwürfe gingen in Richtung Schiri-Gespann: "Alle im Stadion haben gesehen, dass es nichts war, nur einer nicht." Schiedsrichter Knut Kircher ließ nach dem Zusammenprall weiterlaufen, Assistent Robert Kempter hatte ein elfmeterreifes Foul gesehen.

Die Bewertung dieser Entscheidung konnte bei den Augsburgern nur gleich ausfallen: "Ein Witz", urteilte Jan-Ingwer Callsen-Bracker. "Ein Witz", blaffte Keeper Marwin Hitz. Und wie reagierte Trainer Markus Weinzierl? "Ein absoluter Witz. Wir sind beschissen worden." Der Frust ließ sich gar nicht mehr bändigen. "Wir hätten hier so einen Elfmeter sicherlich nicht gekriegt", moserte Alexander Esswein.

Der Ex-Nürnberger hatte die Augsburger kurz vor der Pause überraschend in Führung geschossen. Ein Remis wäre nach Robert Lewandowskis Ausgleichstor (77.) auch verdient gewesen: Die Bayern hatten zwar 80 Prozent Ballbesitz und jede Menge Chancen, doch die Aktionen der Gastgeber waren ungewohnt fahrig. "Vor allem in der ersten Hälfte waren wir schläfrig", klagte Thomas Müller. Frühjahrsmüdigkeit im September war auszumachen. Immer hätten seine Mitspieler und er ein, zwei Sekunden zu spät die Entscheidungen getroffen.

Callsen-Brackers Vorschlag

Die eher durchwachsene Darbietung der Münchener hätte nach einem normalen Bundesligaspiel viel Diskussionsstoff geliefert, doch an diesem Samstag überlagerte der Witz-Elfmeter alles. Auch die Bayern mussten aussagen. Manuel Neuer versuchte es mit der humorigen Art: "Ich habe mit den Augsburgern gesprochen, sie waren nicht begeistert." Philipp Lahm konnte die klare Szene auch nicht uminterpretieren: "Klar, das war sehr hart, diesen Elfmeter zu pfeifen." Für den Augsburger Callsen-Bracker hätte es nur eine Möglichkeit gegeben, das Unrecht wieder gutzumachen. Im Scherz meinte er, der Müller hätte ja nur absichtlich daneben schießen müssen. Da hätte der Müller ein noch größeres Problem als die Schiris gehabt.
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