Der "Witz" von Warschau

Trotz der Niederlage in Polen ein Gewinner: Karim Bellarabi feierte ein beachtliches Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Bild: dpa

Die höchste Auswärtsniederlage in einem Qualifikationsspiel hat die Weltmeister verwirrt. Zeit zum Ärgern bleibt Thomas Müller und Co. aber nicht. Irland wartet nach der historischen Pleite in Polen als nächster Gegner. Bundestrainer Löw sieht gar keine großen Probleme.

Wieder geriet Joachim Löw auf einem Rückflug aus dem ungeliebten Warschau ins Grübeln. Auch die freundlich gemeinte Durchsage des Co-Piloten konnte ihn nicht aufmuntern. "Es tut mir leid, das zu sagen. Wir befinden uns gerade über der Berliner Fan-Meile. Die ist heute leer", sagte der 1. Offizier auf dem Sonderflug nach Düsseldorf. Erinnerungen an die WM-Feierlichkeiten in der Hauptstadt am 15. Juli wirkten nach der historischen Niederlage gegen Polen unpassend.

Für Nostalgie hat der Bundestrainer keine Zeit. Im Schnellverfahren muss Löw die nach dem ärgerlichen 0:2 irritierten Titelhelden auf die nächste knifflige Aufgabe in der EM-Qualifikation vorbereiten. Einen weiteren Betriebsunfall kann sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag, 14. Oktober (20.45 Uhr/RTL) , auf Schalke gegen das traditionell unbequeme Team aus Irland nämlich nicht leisten. Sonst steckt der Weltmeister auf dem vermeintlich leichten Weg zur Endrunde 2016 in Frankreich plötzlich in der Bredouille.

"Wir müssen darüber sprechen, wie unser Torabschluss sein muss, wie wir solche Chancen verwerten", kündigte Löw für die extrem kurze Vorbereitung auf das Irland-Spiel gezielte Unterredungen mit Mario Götze, Thomas Müller und Co an. Zweifel an Spielphilosophie oder gar Qualität hatte die erste Niederlage im 19. Spiel gegen Polen und die höchste Auswärtsniederlage in einem Ausscheidungsspiel für ein großes Turnier nicht verursacht.

"Die Einstellung der Mannschaft und die Konzentration zum Spiel waren absolut in Ordnung", meinte Löw. "Jetzt haben wir nach 33 Spielen mal wieder ein Qualifikationsspiel verloren. Das gibt es jetzt halt mal. Das muss man jetzt mal akzeptieren und so hinnehmen und die Lehren daraus ziehen", betonte der Weltmeister-Trainer nach der Pleite. Auf dem Trainingsplatz können sich die DFB-Stars den Frust kaum von der Seele ballern. Eine einzige Übungseinheit steht am Montag in Essen auf dem Programm. "Wir haben 28 Torschüsse heute, so viele wie selten zuvor. Torabschluss und diese Konsequenz, das ist das Hauptthema für uns", gab Löw die Agenda für den Kurzaufenthalt im Ruhrpott vor. Dabei hatte Löw sogar noch einen Versuch übersehen. 29:5 Torschüsse, 6:0 Ecken und 67 Prozent Ballbesitz - und dennoch jubelten die Polen.

Ein frustrierter Müller

Zerknirscht kommentierte Offensivspitze Müller das nicht für möglich gehaltene Geschehen - ausgerechnet am Ort der letzten großen Demütigung im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien (1:2), die Löw lange gewurmt hatte. "So ist es schwierig, ein Fußballspiel zu gewinnen, wenn du eigentlich bis zur Box gut spielst und auch gute Möglichkeiten rausarbeitest, aber nicht triffst." Mats Hummels meinte: "Dass bei der Qualität der Chancen kein Tor gelungen ist, ist eigentlich ein Witz."

Lieber in Gelsenkirchen

Ersatzkapitän Manuel Neuer - beim ersten Gegentor von Arkadiusz Milik (51.) mitschuldig und beim zweiten Tor durch Sebastian Mila (88.) alleine gelassen - blickte konzentriert voraus. "Irland wird mit Sicherheit auch nicht die Flucht nach vorne suchen. Da wird es schwer sein, sich Torchancen rauszuspielen, sie werden versuchen zu kontern. Da müssen wir wieder aufpassen und jede Situation ernst nehmen", sagte er vor dem Auftritt in seiner alten Schalker Heimat. "Warschau ist offenbar nicht unser Lieblingsspielort. Im Stadion unseres Spiels am Dienstag fühle ich mich deutlich wohler", twitterte der 28-Jährige.
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