Deutsche dominieren die Tour

André Greipel ballt die Faust und schreit seine ganze Freude heraus: Der Deutsche feierte am Mittwoch seinen zweiten Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France. Bild: dpa

Die Tour-Sprache ist deutsch. Drei Etappensiege, das Gelbe und das Grüne Trikot nach fünf Tagen: Besser hätten die deutschen Radprofis nicht in die 102. Tour de France starten können. André Greipel feierte in Amiens seinen zweiten Etappensieg.

Kaum hatte sich Tony Martin mit leuchtenden Augen sein nächstes Gelbes Trikot abgeholt, kletterte André Greipel nach seinem zweiten Etappensieg wieder auf die große Bühne. "Ich bin einer der Schnellsten im Feld - heute habe ich alles richtig gemacht. Jetzt habe ich zwei Etappensiege. Das ist toll", sagte der Kraftprotz aus Rostock, der bei der 102. Tour de France zum neuen Sprintkönig aufgestiegen ist. Mit seinem insgesamt achten Etappenerfolg überflügelte er Jan Ullrich. Die Bilanz nach den ersten fünf Tagen kann sich sehen lassen. "Das ist unglaublich, besser könnte es nicht laufen. Ich bin sehr, sehr stolz", sagte Martin, der weiter zwölf Sekunden Vorsprung auf den Briten Christopher Froome hat.

Martin war sich am Mittwoch in Amiens nach 189,5 Kilometern nicht zu schade, für seinen Teamkollegen Mark Cavendish den Sprint mit anzuziehen. Für den Briten reichte es am Ende allerdings nur zum dritten Rang - gegen die Kraft Greipels hatte er wie die gesamte Konkurrenz keine Chance. Der Träger des Grünen Trikots hatte wie bereits in Zeeland die schnellsten Beine und gewann mit deutlichem Vorsprung, obwohl er 300 Meter vor dem Ziel eingeklemmt war. Den Überblick verlor Greipel nur im Chaos hinter der Ziellinie kurzzeitig, als er seinen Edelhelfer Marcel Sieberg zum gemeinsamen Jubeln suchte. Ansonsten ist der zweifache deutsche Meister so locker wie selten und parliert im Fernsehen sogar schon auf Französisch.

Mit seinem Erfolg vor dem Slowaken Peter Sagan verteidigte der 32-Jährige sein Grünes Trikot souverän. "Unser Ziel sind Etappensiege. Das Grüne Trikot ist ein schönes Präsent für uns. Solange ich es habe, werde ich es verteidigen", erklärte Greipel, der sich hinter dem Ausreißer Pierre-Luc Perichon vor Amiens auch die meisten Punkte beim Zwischensprint in Rancourt vor Degenkolb gesichert hatte.

Nach dem "schönsten Tag bei der Tour de France" setzte Martin seine Triumphfahrt durch das verregnete Nordfrankreich etwas angeschlagen fort. "Nach der ganzen Feierei bin ich erst gegen 2 Uhr zum Schlafen gekommen. Ich bin jetzt ein bisschen k.o., aber das Gelbe Trikot wird mir hoffentlich Flügel verleihen", hatte Martin beim Start in Arras erklärt.

Martin fährt clever

Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister hatte während der Etappe clever im Feld agiert. Seine Arbeit für den schnellen Cavendish platzierte ihn automatisch im Vorderfeld, wo die Sturzgefahr relativ gering ist. "Ich hatte während der Etappe nicht viel Zeit, das Trikot zu genießen. Jetzt kommen die Hochgefühle wieder", sagte Martin im Ziel.

Weiter geht es am Donnerstag mit der sechsten Etappe nach Le Havre. Dann könnte endlich die Stunde John Degenkolbs schlagen, der weiter seinem ersten Etappensieg entgegenfiebert.
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