DFB bleibt Antwort schuldig

Ein Blick zurück in die Vergangenheit: Wolfgang Niersbach sah sich am Montag im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund den Endspielball der Fußball-Weltmeisterschaft von 1954 an. Zumindest einen Moment lang konnte der DFB-Präsident die Bestechungsvorwürfe rund um die WM 2006 ausblenden. Bild: dpa

Mit Vehemenz hat DFB-Präsident Niersbach erneut alle Bestechungsvorwürfe im Zuge der WM-Vergabe 2006 zurückgewiesen. Die Frage, zu welchem Zweck der Verband seinerzeit eine Millionensumme an die Fifa zahlte, bleibt aber weiter unbeantwortet.

Im Wirbel um Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 hat sich auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt eingeschaltet. Als mögliche Tatbestände nannte eine Sprecherin am Montag Betrug, Untreue oder Korruption. Es wird geprüft, ob es einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren gibt. Derweil will sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach das "Sommermärchen" nicht kaputtmachen lassen. Und sein verfeindeter Vorgänger Theo Zwanziger kündigte an, nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub "alle ihm vorliegenden Erkenntnisse" darstellen zu wollen.

Immer mehr in den Fokus rückt die dubiose 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des WM-Organisationskomitees an den von Joseph Blatter geführten Weltverband Fifa, über die das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet hatte. Dies sei weiter "ein offener Punkt", räumte Niersbach bei seinem Auftritt im neuen Deutschen Fußballmuseum in Dortmund ein. Man müsse die Frage stellen, "wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden". Nach dem Willen der Grünen soll sich der DFB-Chef bald im Sportausschuss des Bundestages zu den Vorwürfen äußern.

Kein Zusammenhang

Laut DFB steht die geflossene Millionensumme in keinem Zusammenhang mit der WM-Vergabe. Den Verdacht des Stimmenkaufs wies Niersbach erneut vehement zurück. "Die WM 2006 war ein Sommermärchen, und sie ist ein Sommermärchen. Das Sommermärchen ist nicht zerstört, weil ich auch hier nochmal sage: Es hat keine Schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben", kommentierte er und kündigte an, die Behauptungen zu widerlegen.

Der damalige Bundesinnenminister und OK-Mitglied Otto Schily sieht vor allem die Fifa in der Bringschuld. Die Frage der 6,7-Millionen-Euro-Zahlung betreffe eigentlich den Weltverband, sagte der SPD-Politiker. Natürlich gebe es auch für den DFB Grund, das zu überprüfen. "Aber normalerweise, wenn ich an einen Verein etwas zahle, dann gehe ich davon aus, dass das bestimmungsgemäß verwendet wird." DFB-Schatzmeister war zu dieser Zeit der spätere Präsident Theo Zwanziger.

Zwanziger wiederum äußerte über seinen Anwalt Zweifel an der internen Aufarbeitung durch den Verband. Nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub will Zwanziger "alle ihm vorliegenden Erkenntnisse zusammenfassend darstellen" und diese durch eine eidesstattliche Versicherung dokumentieren. Der Vorgänger Niersbachs wehrt sich gegen den Verdacht, er sei in dem "Spiegel"-Bericht der "Maulwurf", weil er mit Niersbach zerstritten sei. Dies hatte der frühere Mediendirektor Guido Tognoni am Wochenende so angedeutet.

Keine harte Fakten

Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International, verlangte ein detailliertes Statement von Zwanziger, an den sie im Moment "die meisten Fragen" habe. Schenk kritisierte die Beweisführung des "Spiegel". Der Artikel sei "sehr dünn". Die frühere Sportfunktionärin forderte harte Fakten.
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