DFB-Präsident Reinhard Grindel
Vermittler zwischen Amateuren und Profis

Reinhard Grindel wird wohl am Freitag zum DFB-Präsidenten gewählt. Bild: dpa

Frankfurt. Der Politprofi ist als Krisenmanager gefragt. Reinhard Grindel soll den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus dem langen Schatten der WM-Affäre 2006 herausführen und den größten Sportverband der Welt im Zusammenspiel mit dem auf mehr Einfluss pochenden Profilager zukunftssicher aufstellen. Nach seiner Kür zum jüngsten DFB-Präsidenten seit 90 Jahren auf dem außerordentlichen Bundestag am Freitag im Congress Center Messe Frankfurt verspricht Grindel als Mittler zwischen Amateuren und Profis mehr Transparenz und bessere Kontrolle. "Der DFB ist ein demokratischer Verband und nicht mit der Fifa vergleichbar, wo in einigen Teilen über viele Jahre korruptionsanfällige Strukturen wachsen konnten."

Auf den 54-Jährigen aus Rotenburg/Wümme kommt viel Arbeit zu, bei der er als Macher mit Führungsqualitäten gefordert sein wird. Auf der Agenda ganz oben stehen: Die Wahrung des Verbandsfriedens, die Schaffung neuer und moderner Strukturen, die weitere Aufarbeitung des Sommermärchen-Skandals, der Grindels Vorgänger Wolfgang Niersbach das Amt gekostet hatte, und die Bewerbung um die EM 2024.

Letzteres sieht der bisherige Bundestagsabgeordnete, der sein Mandat nach der Wahl niederlegen will, als eine der größten anstehenden Herausforderungen an. "Der Zuschlag für die EM 2024 ist sicher kein Automatismus. Dass beispielsweise auch aus Skandinavien Interesse signalisiert wird, nehmen wir ernst", betonte Grindel, der zum zwölften Präsidenten in der 116-jährigen DFB-Geschichte gekürt werden wird.

Nicht so problematisch sieht er das Verhältnis zwischen Amateuren und Profis im Verband. Einen Dauerstreit mit den Vertretern des Spitzenfußballs befürchtet Grindel nicht. "Natürlich gibt es unterschiedliche Interessenslagen, aber das Verhältnis zur Liga empfinde ich aktuell als ausgesprochen gut", sagte er. Zumindest am Freitag sind ihm die mehr als 250 Stimmen aus den Landesverbänden wie die der Profivertreter fest versprochen.

Aus dem Berliner Politikbetrieb kennt Grindel verbale Scharmützel, wie sie sich zuletzt die Interimschefs Reinhard Rauball und Rainer Koch um die Rolle des Profibereichs im DFB lieferten, nur zu gut und weiß diese einzuordnen. Rauball hatte indirekt sogar eine notwendige Bestätigung Grindels im Amt auf dem regulären Bundestag Anfang November an dessen Handeln im Sinne der Proficlubs geknüpft. "Ich bin sicher, dass es weiterhin eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit geben wird", meinte Grindel dazu unaufgeregt. Der Grundlagenvertrag zwischen Deutschem Fußball-Bund und Ligaverband über gegenseitige Zahlungsflüsse läuft im Sommer 2017 aus. In Kürze stehen die Verhandlungen über eine Verlängerung an.
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