Die Antwort des Weltmeisters
Löw-Elf mit neuen Varianten gegen Italien

Höchste Anerkennung: Gianluigi Buffon (links) gratuliert Bundestrainer Joachim Löw zum Sieg. Italiens Torwart war nach der 1:4-Niederlage richtig bedient. München ist für ihn kein gutes Pflaster. Bild: dpa

Die Besten der Welt sind doch europatauglich: Joachim Löw und seine Spieler wissen aber auch, dass dieses 4:1 gegen Italien keine große Aussagekraft für die EM hat.

München. Die Italiener lieben "Monaco", lieben München. Nicht selten wird die bayerische Landeshauptstadt als die nördlichste Metropole Italiens bezeichnet. Doch Gianluigi Buffon hat erst einmal genug von diesem München, vor allem von diesem Fleckchen im Norden der Stadt. Vor zwei Wochen kassierte er mit Juventus in der Arena vier Gegentore gegen die Bayern, am Dienstagabend vier gegen die Deutschen. Der 38-Jährige fluchte im Kasten. Fast 20 Jahre steht er im italienischen Nationaltor. So etwas hatte er selten erlebt.

Auch Jonas Hector kommt normalerweise mit seinen Spielerkollegen vom 1. FC Köln nach München, um sich Niederlagen in der Arena abzuholen. Aber dieses Mal war das Stadion in Fröttmaning für ihn der schönste Sportplatz der Welt. Er schoss sein erstes Tor (das 3:0) für Deutschland. "Da gibt es jetzt jede Menge abzuarbeiten", grinste der 27-Jährige, als er aus der Kabine kam. Das Smartphone surrte und vibrierte - Glückwünsche gab's im Sekundentakt. Der Premierentorschütze war happy: "Nach dem Samstag waren wir gewillt, etwas gutzumachen."

An einem wie Jonas Hector lässt lassen sich am besten die Länderspiele von Berlin und München abarbeiten. Nach der 2:3-Pleite gegen England schien sich der Linksverteidiger fast aus dem EM-Kader gespielt zu haben, nach dem 4:1 gegen Italien sind seine Chancen besser denn je. Die Einstellung war eine ganz andere als in der Osternacht von Berlin. "Wir haben dieses Mal die Konzentration 90 Minuten hochgehalten und nicht 60", erklärte Antonio Rüdiger. Auch von Joachim Löw gab es Lob: "Die Mannschaft hat die Dinge, die wir besprochen hatten, diszipliniert durch- und zu Ende gespielt."

Dabei hatte er doch einiges gewagt: "Es war schon ein Risiko", sagte der Bundestrainer zu seinem Einfall, Mesut Özil und Toni Kroos auf die Doppel-Sechs zu stellen. Zwei Kreative als Abräumer? "Sie können Situationen im Eins-gegen-Eins besser lösen", begründete Löw seine Maßnahme. "Mesut und Toni haben das hervorragend gemacht. In der Defensive und auch im Spielaufbau." Zudem glänzten sie als Torschützen zum 1:0 (Kroos) und 4:0 (Özil mit Elfmeter). Der Trainer überraschte auch mit einer Dreier-Abwehrkette mit Rüdiger, Shkodran Mustafi und Mats Hummels. Die drei hatten aber einige Wackler, Löw wird sich Jérôme Boateng schnell zurückwünschen.

Und er wird sich bei der EM auch einen Thomas Müller wie am Dienstag wünschen: Erstmals als Kapitän zeigte der Bayer in seiner Heim-Arena eine starke Vorstellung. Seine Mitspieler hatte er vorher angestachelt: "Man hat heute gesehen, dass wir gierig waren." Für den 26-Jährigen hatte dieses 4:1 auch psychologische Bedeutung: "Jetzt können wir ohne viel Druck von außen Richtung EM-Vorbereitung gehen." Und dann sagte Müller noch einige Sätze zu seiner These von Berlin, in Testspielen würden die Akteure nicht immer den letzten Schritt machen. "Ich habe wieder mal festgestellt, dass man hier in Deutschland mit der Wahrheit nicht weit kommt." In Zukunft werde er sich Notlügen bei solchen Fragen ausdenken. Dabei hat Müller Recht: Auch am Dienstag gingen die Spieler vor den 62 000 Zuschauern nicht immer mit letzter Konsequenz in die Zweikämpfe. Der ein oder andere schonte sich schon für die Endphase im Europacup und in den Ligen.

Nicht einlullen lassen


Italiens Trainer Antonio Conte machte das wahnsinnig: "Es macht wirklich keinen Spaß, so zu verlieren." Und in seinem Frust versuchte er, den Gegner einzulullen: "Deutschland ist Weltmeister. Die Distanz zu uns ist groß." Das klappte aber gar nicht: "Wir werden bei der EM ein ganz anderes Italien erleben", konterte Löw. "Das hat mit dem heutigen Spiel gar nichts zu tun." Für ein anderes Italien wird bei der EM alleine schon der saure Buffon sorgen.
Ich habe wieder mal festgestellt, dass man hier in Deutschland mit der Wahrheit nicht weit kommt.Thomas Müller
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