Die deutschen Volleyballer starten nach WM-Bronze als Mitfavorit in das Turnier
Die EM kann kommen

Nach WM-Bronze vor einem Jahr hofft Bundestrainer Vital Heynen (46) bei der anstehenden EM auf einen ähnlichen Coup. "Eine Silbermedaille wäre natürlich unglaublich gut", sagte der Belgier im Interview. Eine gewisse Unsicherheit verspürt Heynen vor dem Auftakt am Freitag (19.30 Uhr/laola1.tv) gegen EM-Co-Gastgeber Bulgarien.

Sie setzen sich und Ihrer Mannschaft immer wieder neue Ziele. Haben Sie sich sogar mit einem EM-Sieg auseinandergesetzt?

Heynen: Nö, darüber haben wir nicht geredet. Wir haben nicht über ein klares Ziel gesprochen, wir haben uns vielmehr damit auseinandergesetzt, wie wir spielen wollen. Wir wollen wie eine Mannschaft sein, die es verdient oben mitzuspielen.

Ist das ein gutes Zeichen, nur noch über die Art und Weise zu reden und nicht mehr über grundsätzliche Ziele?

Heynen: Die Mannschaft ist erwachsener geworden. Sie akzeptiert, dass wir eine Topmannschaft sind. Die Mannschaft braucht mich nicht, dass ich ihnen sage: 'Ihr könnt eine Medaille gewinnen'. Die glauben schon selbst daran, dass sie etwas gewinnen können.

Worin besteht der Unterschied zwischen Ihrer Mannschaft von heute und jener, die 2014 sensationell WM-Bronze gewonnen hat?

Heynen: Wir sind zwar im Kopf erwachsener geworden, aber physisch waren wir zu diesem Zeitpunkt letztes Jahr besser drauf. Letztes Jahr war ich ganz nervös, weil ich wusste, die Medaille steckt in der Mannschaft drin. Dieses Jahr bin ich nicht so nervös, weil ich sehe, dass die Mannschaft jedes Mal gut spielen kann.

Ist der Auftakt gegen Bulgarien für Ihre Mannschaft richtungweisend?

Heynen: Wir sind nun ein Stück in der Favoritenrolle. Das erste Spiel gegen Bulgarien vor 14 000 Zuschauern wird nicht einfach sein. Ich habe jetzt eine andere Art Unsicherheit. Aber ich bin überzeugt, dass meine Mannschaft jedes Spiel ein gutes Niveau bieten wird. Der Unterschied zwischen den ersten sechs, sieben Mannschaften hängt an der Tagesform.

Worin besteht der Unterschied zwischen dem Vital Heynen von 2014 und heute?

Heynen: Wie meine Spieler immer besser werden wollen, will auch ich immer besser werden. Ich habe abseits des Sports natürlich gemerkt, dass meine Meinung manchmal wichtiger geworden ist, die Leute hören ab und zu mehr zu.

Sie haben vor dem am Ende siegreichen Vorbereitungsturnier in Ludwigsburg gewarnt, Ihrer Mannschaft fehle noch rund zehn Prozent Leistung zur Idealform. Wie ist der Stand kurz vor dem EM-Auftakt?

Heynen: Gegen Russland hat die Mannschaft gezeigt, dass keine zehn Prozent mehr fehlen, vielleicht gerade mal fünf. Da hatte ich das Gefühl, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben. Die EM kann beginnen.
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