Die flotten Europäerinnen

Cindy Roleder (links) kann ihr Glück kaum fassen, Dafne Schippers (rechts) jubelt noch etwas verhalten: Die Deutsche Roleder gewann über die 100 Meter Hürden sensationell Silber, die Holländerin Schippers ließ über die 200 Meter gar die ganze Weltelite hinter sich. Bild: dpa

Die Laufdisziplinen sind bei der Leichtathletik-WM in Peking eine Domäne der Nichteuropäer. Zwei Sprinterinnen vom alten Kontinent überraschten aber am Freitag in China und feierten grandiose Erfolge.

Die Bilder des völligen Erstaunens ähnelten sich sehr. Cindy Roleder schlug fassungslos die Hände vors Gesicht. Eine halbe Stunde vorher hatte Dafne Schippers genauso ungläubig auf die Anzeigetafel gestarrt. Eine deutsche Hürdensprinterin und eine 200-Meter-Läuferin aus den Niederlanden haben am Freitag bei der Leichtathletik-WM in Peking die ansonsten von Amerikanerinnen und Jamaikanerinnen dominierte Sprintwelt auf den Kopf gestellt. Roleder gewann in der persönlichen Bestzeit von 12,59 Sekunden die Silbermedaille über 100 Meter Hürden. Und Schippers verbesserte bei ihrem ersten WM-Titel sensationell einen jahrzehntealten Europarekord der früheren DDR-Größen Marita Koch und Heike Drechsler.

"Das war ein Traumlauf! Und eine hammermäßige Zeit", sagte Roleder. "Ich glaube, das war das Rennen meines Lebens." Die deutsche Meisterin hatte am Freitag schon im Halbfinale zum ersten Mal ihren persönlichen Rekord gesteigert (12,79). Im Endlauf musste sich die 26-Jährige aus Leipzig dann nur der Jamaikanerin Danielle Williams (12,57) geschlagen geben.

Roleder legte einen furiosen Schlussspurt hin. Nur wenige Meter mehr - und sie hätte dieses Rennen vielleicht noch gewonnen. Titelverteidigerin Brianna Rollins aus den USA (12,67), Mitfavoritin Tiffany Porter aus Großbritannien (12,68) - an allen lief sie noch vorbei. Schon vor dem Schlusswochenende in Peking verbesserte die EM-Dritte von 2014 damit die deutsche WM-Bilanz auf beachtliche sechs Medaillen.

Schippers lief über 200 Meter in 21,63 Sekunden die viertbeste Zeit der Leichtathletik-Geschichte. Nur die bereits verstorbene Weltrekordhalterin Florence Griffith-Joyner (21,34 und 21,56) und die geständige Doping-Sünderin Marion Jones (beide USA/21,62) waren schon einmal schneller. "Ich habe vorher auf die Goldmedaille und eine Zeit unter 22 Sekunden gehofft. Aber jetzt kann ich das nicht glauben. Das ist doch verrückt", sagte die Europameisterin nach ihrem Sieg vor den beiden Jamaikanerinnen Elaine Thompson (21,66) und Veronica Campbell-Brown (21,97).

Auch die 23-Jährige verdankte ihren Triumph einem energischen Endspurt. Zwar fehlten in diesem Finale die Titelverteidigerin Shally-Ann Fraser-Pryce aus Jamaika und die Olympiasiegerin Allyson Felix aus den USA. Dennoch war Schippers Rennen absolut herausragend.
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