Die Könige von Europa

Am frühen Sonntagabend feierten die Fans ihre Sieger von Berlin in den Straßen von Barcelona. Bild: dpa

Nach vier Jahren ist der FC Barcelona zurück auf dem Fußball-Thron. Ausgelassen wird der Triumph von Berlin gefeiert. Von einer neuen Ära ist nach dem zweiten Triple der Clubgeschichte die Rede. Doch hinter der Zukunft von Trainer Enrique steht noch ein Fragezeichen.

Bei Lionel Messi verschwand das breite Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, Neymar versteckte seine müden Augen hinter einer Sonnenbrille und Altstar Xavi hielt den Henkelpokal ganz fest. Unausgeschlafen, aber überglücklich setzten die Stars des FC Barcelona nach ihrer magischen Nacht von Berlin den Partymarathon am Sonntag fort. Ein Triumphzug auf einem Doppeldecker-Bus durch die Straßen Barcelonas mit einer abschließenden Feier vor 95 000 Fans im Camp Nou war angesagt.

So erlebte der deutsche Keeper Marc-André ter Stegen nach der beeindruckenden Rückkehr der Katalanen auf Europas Fußball-Thron Momente "für die Ewigkeit" und Xavi wurde nach seinem letzten Auftritt nostalgisch: "Diese Generation hat Geschichte geschrieben."

Mit traumhaft schönem Hochgeschwindigkeits-Fußball hatte Barça ein neues Kapitel aufgeschlagen und zum fünften Mal den Henkelpokal erobert. Schon unmittelbar nach dem berauschenden 3:1 (1:0) gegen Juventus Turin am Samstagabend fiel auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions der Startschuss für eine lange Nacht. Die Sonne war längst wieder aufgegangen, als Nationalverteidiger Gerard Piqué und Lebensgefährtin Shakira am Sonntagmorgen einen Szene-Club in Berlin verließen. Superstar Messi ließ es nicht gar so sehr krachen und war zum Frühstück im Grand Hyatt Hotel wieder fit. An seiner Seite der begehrte Champions-League-Pokal.

Nach vier Jahren - für die erfolgsverwöhnten Barça-Fans eine schier endlose Zeit - ist der Club wieder ganz oben. Entsprechend überschwänglich wurde das zweite Triple der Vereinsgeschichte nach 2009 in der Heimat gefeiert. Von einer neuen Ära ist bereits die Rede. Die Frage ist nur, wer die Ansammlung der Hochbegabten weiter führen wird. Trainer Luis Enrique wurde von den Spielern wie einst Pep Guardiola noch im Stadion in die Luft katapultiert, zu einem Ja-Wort für die nächste Saison konnte sich der Trainer trotz laufenden Vertrages bis 2016 aber nicht durchringen. Es werde Entscheidungen zu einem späteren Zeitpunkt geben, sagte der stolze Asturier, der noch im Winter vor dem Rauswurf stand. Mit Superstar Messi soll er sich überworfen haben. In der Stunde des Erfolges erhielt der Coach Zuspruch seiner Stars. "Er ist unser Trainer. Wir hoffen, dass er bleibt. Es gibt neue Herausforderungen", sagte Andres Iniesta und Xavi fügte hinzu: "Er ist ein großartiger Trainer und der beste Mann für die nächste Saison."

"Was für ein großes Glück"

Für Barcelona scheinen die Grenzen ohnehin außer Kraft gesetzt zu sein. Für Iniesta war es der vierte Champions-League-Triumph, den er auf dem Rasen miterlebte, womit er zu Rekordmann Clarence Seedorf aufschloss. "Mir läuft ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, was für ein großes Glück ich in meiner Karriere hatte, in diesem Club zu sein und diese Erfolge zu feiern."

Suárez beißt noch zu

Für ter Stegen war es indes erst der Anfang. Schon mit 23 Jahren krönte sich der Ex-Gladbacher zum Champions League-Sieger (siehe Bericht Seite 10). Auch im Finale war auf ter Stegen Verlass. Beim Ausgleich von Alvaro Morata (55.) war er machtlos, nachdem er zuvor mit einem Reflex gegen Carlos Tevez pariert hatte. Der Ausgleichstreffer - Ivan Rakitic hatte Barcelona früh in Führung gebracht (4.) - brachte Barcelona kurzzeitig ins Wanken. Bis Suárez "Zubiss".
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