Die "Löwen" mit blauem Auge

Einfach nur grenzenlose Erleichterung: Die Fußballer der Sechziger bedanken sich bei den Fans für die grandiose Unterstützung im entscheidenden Spiel gegen Holstein Kiel. Bild: dpa

Was für ein verrücktes Spiel: Nach dem Klassenerhalt in der zweiten Liga schnaufen die Sechziger aber nicht lange durch. Schon geistern auch wieder neue Stadionpläne durchs Land.

München. (mr) Alle hatten schon mit dem blauen Wunder gerechnet, dann kamen sie doch noch mit einem blauen Auge davon: Wenn jemand in der Fußballwelt für so einen kuriosen Abend sorgen kann, dann sind es die "Blauen" aus München. Die Abgesänge und Nachrufe auf den Traditionsverein TSV 1860 München waren schon vorbereitet, da traf Kai Bülow in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Holstein Kiel. Nach dem 0:0 im Hinspiel war das die Rettung.

"Ja, das kann man sagen, das war das wichtigste Tor in meiner Karriere", sagte Bülow. Okay, der Rostocker ist Abwehrspieler und somit ist die Zahl seiner Tore sehr, sehr überschaubar. Und allzu schwer war es auch nicht, den Ball aus drei Metern ins Tor zu bugsieren. Doch dieser Treffer, so schlicht er in seiner Ausführung auch war, veränderte alles in der Welt der Löwen. Die dritte Liga und die Sechziger - das hätte sich kaum jemand vorstellen können.

Bülow tanzte jetzt aber nicht durch die Katakomben, dazu war er viel zu erschöpft. Es reichte aber noch, um in Erinnerungen zu kramen: "Natürlich hatten wir vor Saisonbeginn ganz andere Ziele", sagte er leise. Nichts weniger als der Aufstieg sollte es unter dem ersten Trainer der Saison, Ricardo Moniz, sein. Trainer Nummer drei in dieser Spielzeit, Torsten Fröhling, musste retten, was zu retten war. "So was können nur noch Männer drehen", hatte der Coach seine Jungs in der Pause angestachelt. 0:1 lagen die Münchener da zurück. Nun kamen zwar keine Kraftprotze aus der Kabine. "Aber die Wucht, die wir zum Schluss hingelegt haben, darauf kann man stolz sein."

Fröhling hatte nach seiner Installation nicht viel Zeit, spielerisch etwas einzuüben, es ging nur ums Überleben. Kapitän Christopher Schindler lobte bei diesem Unternehmen zwar die Jungen im Team: "Unglaublich, was die geleistet haben, als sie reingekommen sind." Aber am Dienstag war doch zu erkennen, dass der eine oder andere mit Zweitligafußball überfordert ist." Die frühe, verletzungsbedingte Auswechslung Dominik Stahls hatte Fröhling zwar als einen Grund für den mauen Auftritt ausgemacht, der eingewechselte Julian Weigl sorgte aber wenigstens für etwas Struktur im Spiel. Das letzte Mal: Der 19-Jährige wechselt für 2,5 Millionen Euro nach Dortmund.

Daniel Adlung wird nächste Saison weiter da sein. Der Mittelfeldmann mit dem etwas verwegenen Haarschnitt hatte mit seinem Tor zum 1:1 (78.) die Wende eingeleitet. Der Mittelfeldmann verspürte auch Genugtuung: "Immer wenn wir mit dem Arsch an der Wand standen, haben wir die richtige Antwort gegeben." Auch Adlung hofft, dass Fröhling weiter 1860 trainiert: "Er hat uns immer positive Gedanken gegeben. Mit seiner direkten Art kommt er beim Team gut an."

Ismaiks Vorstellungen

Die Trainerfrage ist noch offen, eines steht aber schon fest: Die "Löwen" werden auch nächste Saison in der Allianz-Arena spielen. Dabei will jetzt sogar Hasan Ismaik raus aus dem ungeliebten Stadion. Spätestens im Sommer 2016 sei es so weit, schreibt der Investor in einem Brief an die Fans. Zunächst soll es ins Olympiastadion gehen. Das ist die "Löwen"-Welt: Kaum gerettet, schmieden sie schon wieder große Pläne.
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