"Die Nummer 1 der Welt "

Trainer und Serviceleute mussten nach getaner Arbeit nochmals ran - die Sieger stemmen. (von links) Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp wurden nach ihrem grandiosen Staffelerfolg auf Händen getragen. Bild: dpa

Franziska Preuß sorgte bei der Biathlon-WM für einen silbernen Schlusspunkt und die fünfte Medaille. Für die Männer dagegen gab es einen Tag nach dem Staffel-Triumph keine Medaille. Das Geheimnis des Erfolges ist simpel: Fleiß, Teamgeist und Lockerheit.

Nach einer emotionalen Siegerehrung für den Staffel-Triumph bescherte Franziska Preuß den deutschen Biathleten auch noch ein unerwartetes Silber-Finale. Simon Schempp schwärmte auch nach der Medaillen-Nullnummer im abschließenden Massenstart am Sonntag noch immer vom Gemeinschafterlebnis am Vortag. "Das war das absolute Highlight", sagte der deutsche Staffel-Schlussläufer. "Es war wirklich ein Halligalli, ein unbeschreibliches Gemeinschaftsgefühl in der ganzen Mannschaft. Daran werden wir ewig denken." Kaum war die Siegerehrung am Samstag zu Ende, da stürmten die deutschen Skijäger die Bühne. Von den beiden Gold-Staffeln mit Verfolgungsweltmeister Erik Lesser sowie den beiden Silbermedaillen-Gewinnerinnen Laura Dahlmeier und Franziska Preuß an der Spitze über die Trainer und Funktionäre bis hin zu den Servicemännern - das gesamte Team feierte und sang im Flutlicht auf dem Marktplatz in Joensuu wie im Vorjahr die deutschen Fußball-Weltmeister in Rio: "Die Nummer 1 der Welt sind wir."

Preuß genießt nur

Es war eine Szene mit Symbolcharakter, schon vor dem unerwarteten Massenstart-Silber durch Franziska Preuß am Sonntag. Während die Männer beim Sieg des Slowenen Jakov Fak über die 15 Kilometer leer ausgingen, holte Preuß als Zweite hinter Walj Semerenko aus der Ukraine die fünfte deutsche Medaille in Finnland. "Ich genieße den Moment besonders, weil ich schon erfahren habe, wie es anders sein kann", sagte die gerade erst 21 Jahre altgewordene Bayerin.

Nach der schwächsten WM und den schwächsten Olympischen Spielen überhaupt sind die deutschen Skijäger nun wieder voll da. "Geändert von den Personen hat sich eigentlich nicht viel. Aber wir haben hart daran gearbeitet, dass wir als Team zusammenwachsen, dass wir weiter unseren Weg verfolgen", erklärt Björn Weisheit, beim Deutschen Skiverband der Sportliche Leiter Biathlon, die Erfolgsformel.

Neid und Missgunst sind Fremdwörter in der Biathlon-Nationalmannschaft. "Es gibt keine Reibereien, es gibt keine Nickligkeiten. Man neckt sich gerne, man hat Spaß zusammen", sagt Lesser über das "Wir-Gefühl". Und Preuß, die in Sotschi mit ihren Tränen nach ihrem Staffel-Pech irgendwie zum Sinnbild der Damen-Krise geworden war, stellte fest: "Wenn das Drumherum passt, dann macht alles viel mehr Spaß."

Achtmal hatten die Skijäger seit der Wiedervereinigung die Medaillen-Wertung gewonnen. Diesmal wurde es Platz zwei hinter Frankreich. "Das war Werbung für den Biathlon-Sport", sagte Weisheit. Nach den Rücktritten von Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner und dem dreimaligen Olympiasieger Michael Greis hatte es 2013 in Nove Mesto nur einmal Silber und einmal Bronze gegeben. In Sotschi holten sich Lesser und die Männer-Staffel Silber.
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