Die Rückkehr der Verschmähten

Sie ereilte das gleiche Schicksal: Plötzlich waren sie nicht mehr erwünscht. Der eine verlor den Job, der andere wurde strafversetzt. Am Montagabend tauchten sie beide wieder auf: Der eine, weil es der Spielplan so vorhersah. Der andere, weil sein Trainer etwas umkrempelte.

Nürnberg. (mr) Ende April 2014 wurde Trainer Gertjan Verbeek beim 1. FC Nürnberg entlassen. Mittlerweile ist der 52-Jährige mit der Rod-Stewart-Frisur mit dem VfL Bochum erfolgreich. Raphael Schäfer flog im August aus dem Club-Tor. Bis heute, so beteuert er, wisse er nicht, warum. Gegen Bochum war er seit langer Zeit mal wieder die Nummer 1. Auch er konnte nicht verhindern, dass die Gäste mit 2:1 die Punkte entführten.

"Der Trainer hat gesagt, dass ich heute spielen soll", sagte Schäfer und grinste: "Und ich mache natürlich das, was der Trainer sagt." Schäfer war gut gelaunt wie zuletzt selten. Da konnte ihm auch die Niederlage nichts anhaben. "Mich überrascht nichts mehr", sagte der 36-Jährige zu seinem plötzlichen Comeback. Überrascht sei er nur gewesen, als ihn der damalige Coach Valérien Ismaël zur Nummer 3 degradierte. René Weiler holte den Routinier zumindest auf die Bank zurück und beorderte ihn gegen Bochum ins Tor. Die Entscheidung gelte zunächst für dieses Spiel, bestätigte der Trainer. Diesen schätzt Schäfer ungemein: "Wir haben einen grundehrlichen Trainer." Das war noch ein Tritt an Ismaëls Schienbein.

Mit Verbeek verstand sich Schäfer zu Bundesliga-Zeiten ganz gut. Der jetzige Bochumer Trainer bringt das Team aus dem Ruhrpott immer mehr auf Kurs. Mit dem Sieg in Nürnberg überholte der VfL den Club in der Tabelle: "Wir sind heute ein glücklicher Sieger", gab der Holländer zu. "Vor allem in den letzten 15 Minuten hatten wir Glück." Even Hovland traf da mit einem Kopfball nur die Latte. Die Nürnberger vergaben auch danach fahrlässig ihre Chancen.

Weiler einfach ratlos

Glück und perfekte Technik brachten dagegen die Bochumer in Führung. Marco Terrazzino (38.) traf aus 18 Metern perfekt in den Winkel. "Das 1:0 hat die Welt auf den Kopf gestellt", versuchte sich Verbeek am deutschen Sprichwort. Vor dem 0:2 (64./Simon Terodde) patzte die Club-Abwehr. Der eingewechselte Peniel Mlapa traf zum 1:2 (70.) für den Club. Vorwürfe, die Mannschaft lasse die Saison ausklingen, konterte der Stürmer: "Wer das Spiel gesehen hat, hat bemerkt, dass bei uns die Luft noch nicht raus ist." Club-Coach Weiler haderte nur mit der Chancenverwertung: "Ich kann meiner Mannschaft ansonsten nicht viel vorwerfen." Raphael Schäfer inclusive. Der Routinier strahlte Sicherheit aus. Verbeek strahlte vor Glück. So glücklich war er zu seiner Zeit in Nürnberg selten.
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