Die Schlinge zieht sich zu

In der DFB-Affäre rückt die Steuererklärung von 2006 immer mehr in den Mittelpunkt. Die Ermittler blicken aber sogar bis 2000 und damit die Zeit vor der WM-Vergabe zurück. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät durch eine angebliche Brief-Notiz weiter unter Druck.

In der DFB-Affäre sucht die Frankfurter Staatsanwaltschaft einem "Spiegel"-Bericht zufolge nach Steuervergehen schon lange vor dem Sommermärchen. Die Behörde nimmt bei ihren Ermittlungen rund um die ominöse Rückzahlung von 6,7 Millionen Euro Vorgänge ab 2000 und damit auch aus der Zeit vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 ins Visier. Das berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner aktuellen Ausgabe und beruft sich dabei auf den Durchsuchungsbeschluss vom 29. Oktober.

Wie der "Spiegel" weiter berichtet, soll der DFB dem Beschluss zufolge insgesamt Steuern in Höhe von rund 2,567 Millionen Euro hinterzogen haben. Hintergrund ist die Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2005, die der Verband in der Steuererklärung 2006 als Betriebsausgabe geltend gemacht hat.

Notiz von Niersbach?

Niersbach hatte bislang stets versichert, erst in diesem Sommer vom Zusammenhang zwischen der Millionen-Überweisung und der Rückzahlung an Louis-Dreyfus erfahren zu haben. Ein Briefentwurf, den der "Spiegel" nun veröffentlichte, soll aber belegen, dass Niersbach doch schon viel früher Kenntnis von den Absprachen hatte. Darauf lassen laut "Spiegel" handschriftliche Vermerke auf dem Brief aus dem November 2004 schließen, die demnach wohl von Niersbach stammen. In den Brief sind die Worte "das vereinbarte Honorar für H.L.D." geschrieben. "H.L.D." stehe demnach für Herrn Louis-Dreyfus. Autor der Notiz soll Niersbach sein.

Der DFB-Chefrevisor Hans-Ludwig Meyer hat derweil mit Verwunderung auf den angeblich langen Zeitraum zwischen Testierung und Unterzeichnung der DFB-Steuererklärung mit der ominösen 6,7-Millionenzahlung reagiert. "Ich kann das nicht nachvollziehen, das ist eigentlich nicht üblich", sagte Meyer am Freitag.

"Der Ablauf ist so: Bis Januar oder Februar ist der Jahresabschluss fertig, dann gebe ich ihn zum Wirtschaftsprüfungsunternehmen Rödl und Partner zum Erstellen des Testates. Und spätestens im Mai stelle ich dem Präsidium dann den Jahresabschluss vor", erläuterte der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, der seit 2010 der Revisionsstelle des Verbands angehört und ihr seit 2013 vorsteht.

Warum die von der Staatsanwaltschaft monierte Steuererklärung für das Geschäftsjahr 2005 erst im November von dem wenige Tage zuvor gewählten DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach unterzeichnet wurde, "kann und will" DFB-Vorstandsmitglied Meyer nicht bewerten. Niersbach selbst äußerte sich auch am Freitag nicht. Bei der für Montag anberaumten Sondersitzung des DFB-Präsidiums wird sich der 64-Jährige aber den kritischen Fragen seiner Präsidiumskollegen stellen müssen.
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