Die Sorgen der Liga

Pierre Aubameyang (links) fehlt den Dortmundern zum Rückrundenstart, da er beim Afrika-Cup für sein Heimatland Gabun auf Torejagd geht. Bild: dpa

Sieben Profis aus der Bundesliga sind beim Afrika-Cup dabei. Während die Fußballer stolz sind für ihr Heimatland anzutreten, bereitet den Clubs das Fehlen vor dem Rückrundenstart Probleme. Ebola ist ein viel diskutiertes Thema.

Der Afrika-Cup bereitet Jürgen Klopp gleich aus zweierlei Gründen Sorgen. Die Furcht vor dem Ebola-Virus brachte den BVB-Trainer vor dem Turnier in Äquatorialguinea ebenso zum Grübeln wie der Verlust seines erfolgreichsten Hinrunden-Stürmers. Ohne den gabunischen Nationalspieler Pierre-Emerick Aubameyang bereitet sich die Borussia auf die Rückrunde vor. Der 25-Jährige fehlt in der wichtigen Auftaktphase im Kampf gegen den Abstieg.

"Natürlich ist die Situation bescheiden für uns, aber es gab keine andere Möglichkeit bei ihm", erklärte Klopp. "Das ganze Land wäre in Aufruhr, wenn er nicht dabei wäre." Borussia Dortmund ist nicht der einzige betroffene Bundesligist. Sechs weitere Vereine stellen je einen Profi zum Afrika-Cup ab, der am Samstag mit der Partie des Gastgebers gegen Kongo beginnt.

Nicht dramatisieren

Der Herthaner Salomon Kalou mischt für die Elfenbeinküste mit, die Integration des unzufriedenen Stürmers bei den Berlinern könnte sich dadurch verzögern. Werder Bremen reiste ohne den Kongolesen Cédrick Makiadi ins Trainingslager nach Belek, der Augsburger Abdul Rahman Baba wird für Ghana um Titel und Ehre kämpfen. Hannovers Salif Sané ist für Senegal dabei, Gladbachs Ibrahima Traoré für Guinea. Der Schalker Eric Maxim Choupo-Moting spielt für Kamerun.

"Das Thema Ebola ist auf jeden Fall ernst zu nehmen", befand Angreifer Choupo-Moting vor einiger Zeit. "Wir dürfen aber nicht den Fehler machen, es zu sehr zu dramatisieren." Verhaltensregeln liegen laut Schalke in den Händen der Verbände, aber auch bei den Bundesligisten haben sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht. Klopp etwa hat mit Aubameyang über das Thema gesprochen und ihn sensibilisiert. Seit Beginn der Epidemie vor gut einem Jahr sind nach WHO-Angaben mehr als 8200 Menschen an dem Virus gestorben. Guinea ist neben Liberia und Sierra Leone am meisten betroffen. Die Nationalelf durfte in der Qualifikation deswegen keine Heimspiele austragen.

Traore spendete seine Prämie für die erfolgreiche Qualifikation - 25 000 Euro - für die Ebola-Hilfe. Auf das Turnier verzichten wollte der Offensivakteur nicht. Mit Trainer Lucien Favre und Sportdirektor Max Eberl sei es weit im Voraus abgesprochen. "Sie sind einverstanden, dass ich fahre", sagte der Mannschaftskapitän der Nationalelf Guineas unlängst. Nach der Rückkehr vom Turnier wird sich Traore einem Medizincheck unterziehen. Vor dem Training wird dann täglich die Körpertemperatur gemessen. Sollte sich der 26 Jahre alte Gladbacher krank fühlen, bleibt er zu Hause und wird weiter untersucht.

Wegen Virus verlegt

Erst wegen des Virus wurde der Afrika-Cup nach Äquatorialguinea verlegt. Der ursprüngliche Gastgeber Marokko wollte das Turnier wegen der Ebola-Epidemie verschieben. Daraufhin gab der Kontinentalverband den Wettbewerb in die zentralafrikanische Diktatur.

Der generelle Zeitpunkt des Turniers verärgert einige. Bis zum 28. Januar laufen die Gruppenspiele, nur zwei Tage später geht die Rückrunde los. Erreicht ein Bundesliga-Profi das Finale am 8. Februar, muss sein Verein auch noch am 20. Spieltag auf ihn verzichten. "Das ist eine Katastrophe", schimpfte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzeund und bezog auch das Fehlen von Shinji Kagawa und Mitch Langerak wegen des Asien-Cups mit ein.

Deutlich gelassener geht Werder-Trainer Viktor Skripnik mit dem Thema um. Dass Makiadi in der Ferne weilt statt mit dem Tabellen-16. zu trainieren, besorgt ihn nicht besonders. "Er ist da ja nicht in Urlaub und liegt am Strand. Er spielt da Fußball."
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