Diskussionen um Winter-WM reißen nicht ab: Klubs gehen auf Fifa los - Finale am 23. Dezember ...
Die "Qatarstrophe" im Jahr 2022

DFL-Präsident Reinhard Rauball will der Fifa einige unangenehme Fragen stellen. Bild: dpa
Im Feilschen um finanzielle Entschädigung für eine Winter-Fußball-WM 2022 in Katar geht der Weltverband auf harten Konfrontationskurs zu Europas Top-Clubs. Mit der strikten Ablehnung von Wiedergutmachung verärgerte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke am Mittwoch besonders den deutschen Ligapräsidenten Reinhard Rauball.

Rauball schimpft

"Den lapidaren Satz, den ich heute Morgen gelesen habe, kann man nicht akzeptieren", schimpfte der Präsident von Borussia Dortmund und kritisierte die geplante Verlegung auf einen Termin kurz vor Weihnachten scharf. "Für mich ist es nach wie vor ein Affront." Zuvor hatte Valcke erklärt, dass es für die Vereine "keine finanzielle Kompensation geben" werde.

Nachdem die Task Force am Dienstag sich für einen Termin des Weltturniers "Ende November bis Ende Dezember" ausgesprochen hatte, konkretisierte der Fifa-Funktionär die Pläne ein wenig. Die WM soll wegen des engen Kalenders von bislang 32 auf 28 Tage verkürzt werden. Die Exekutive des Weltverbands muss den genauen Zeitplan am 19./20. März noch absegnen. Die meisten Konföderationen würden den 23. Dezember als Termin für das Finale bevorzugen, sagte Valcke.

Nach Angaben eines Uefa-Sprechers habe die Europäische Fußball-Union, nach der generellen Empfehlung der Task Force den Tag vor Heiligabend "als Option" vorgeschlagen.

"Fast noch viel schlimmer" als das Thema Finanzen sei dieses mögliche Endspiel-Datum, betonte Rauball. "Ob da alle rechtzeitig zum Weihnachtsfest bei ihren Familien zu Hause sind, Fans, Mannschaften, wage ich auch zu bezweifeln." Die Deutsche Fußball Liga müsse sich noch einmal mit dem Deutschen Fußball-Bund "zusammensetzen" und Konsequenzen erörtern.

Zudem drohe das öffentliche Interesse an der Terminierung die eigentliche Debatte im Wüstenstaat zu verdrängen. "Das heißt die Frage: Wie steht es mit den Menschenrechten? Wie sind die Arbeitsverhältnisse strukturiert? Was hat sich da an Besserungen überhaupt ergeben?", erklärte Rauball seine Bedenken. Valcke rang sich mit Blick auf die Situation von Gastarbeitern immerhin ein Zugeständnis ab: "Es ist klar, dass es dort Probleme gibt und Dinge gelöst werden müssen." Insgesamt müsse man sich aber aufgrund des Terminchaos rund um die WM keinesfalls bei den Ligen oder Clubs entschuldigen, betonte der Fifa-Funktionär. "Es ist nicht perfekt, wir wissen das - aber warum sprechen wir über eine Kompensation? Es passiert einmal, wir zerstören nicht den Fußball."

Zuletzt 70 Millionen Dollar

Die europäische Club-Vereinigung ECA will sich erst nach einer Vorstandssitzung in der nächsten Woche wieder äußern. Valcke verwies auf die Abstellgebühren, die die Fifa bereits an die Vereine zahle. Nach der WM 2014 waren dies 70 Millionen US-Dollar.

"Qatarstrophe?", titelte die "Sun" dennoch. "Der U-Turn der Fifa zu einer Winter-WM in Katar komplettiert das Chaos der Ungereimtheiten", analysierte der "Guardian".
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