Doping-Skandal hat weitere Kosequenzen - Diack legt Amt nieder - Schwanitz fordert Änderungen
"Jeder Mensch ist käuflich"

Christina Schwanitz will eine Reform des Anti-Doping-Kampfs. Bild: dpa
Der gigantische Doping-Skandal in der Leichtathletik zieht weitere Konsequenzen nach sich. Am Mittwoch legte der langjährige Weltverbands-Präsident Lamine Diack seine Ehrenmitgliedschaft im Internationalen Olympischen Komitee nieder. Der Senegalese war bereits am Tag zuvor vom Exekutivkomitee des IOC vorläufig suspendiert worden. Auch der Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors trat von seinem Posten zurück. Gregori Rodschenkow soll dem erschütternden Report der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zufolge die Beseitigung von 1417 Dopingproben angewiesen haben. Seinem Labor wurde deshalb auch die Zulassung entzogen.

Diack und Rodschenkow gehören zu den Schlüsselfiguren einer Affäre, in der es unter anderem um das Verschwinden von positiven Doping-Tests gegen die Bezahlung hochrangiger Funktionäre geht. Gemessen an dem weltweiten Entsetzen über diese selbst für den Profisport neue Dimension hielt sich der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach in seiner ersten öffentlichen Reaktion allerdings zurück.

"Es gibt nun die Ermittlungen in der Leichtathletik, und der Weltverband wird seine Schlüsse daraus ziehen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen", sagte er am Mittwoch. Bach gab sich "überzeugt, dass Russland kooperieren wird, damit sich seine Athleten an die globalen Anti-Doping-Regeln halten werden. Das braucht es, um an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können."

Skandalfigur Diack und auch der russische Sport gehörten im IOC stets zu den Unterstützern von Bach. Und so kommt zu der ohnehin schon enormen Dimension der gesamten Affäre noch das Problem hinzu, dass einige einflussreiche Personen und potenzielle Aufklärer in dieser Sache zumindest erheblich vorbelastet sind.

Die deutsche Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz fordert als Konsequenz aus dem Doping-Skandal eine Reform des Anti-Doping- Kampfes. "Das System der Kontrollen muss so gestaltet werden, dass man niemanden kaufen kann", sagte die 29-Jährige der "Sport Bild". "Durch Wechsel der zuständigen Kontroll-Instanzen ist der Tester von gestern schon morgen nicht mehr zuständig. Das heißt: Kontrolleur, Verband und Athlet können gar nicht eine so enge Beziehung aufbauen, dass gemauschelt werden kann." Grundsätzlich meint Schwanitz allerdings: "Wenn es um Doping geht, bin ich der Überzeugung: Jeder Mensch ist käuflich. Die einzige Frage ist nur: ab welcher Summe?"
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