Dortmund kann Abstiegskampf

Sie rannten, sie stürmten, sie hatten viele Chancen, aber trafen nur einmal. Egal, Hauptsache gewonnen, dachten sich die Dortmunder, die nach dem 1:0 gegen Hoffenheim vorerst den letzten Tabellenplatz verlassen haben.

Nach dem 1:0-Zittersieg über 1899 Hoffenheim stand Trainer Jürgen Klopp alleine auf dem Rasen, warf Kusshände ins Publikum und bedankte sich bei den Fans. "Das waren tolle Szenen, gerade nach dem Abpfiff, nach dem Sieg. Die Mannschaft hat sich bedankt für die einzigartige Unterstützung in den letzten Wochen. Heute konnten wir mit dem Sieg etwas zurückgeben und uns vom letzten Tabellenplatz lösen", sagte BVB-Manager Michael Zorc.

Die Borussen verbesserten sich nach dem vierten Saisonsieg zumindest vorübergehend mit 14 Punkten auf Platz 14 der Fußball-Bundesliga. Nationalspieler Ilkay Gündogan (17.) erzielte im Freitagsspiel das heiß ersehnte Tor für den Champions-League-Achtelfinalisten. Mit Kampf und Ergebnis- statt Erlebnis-Fußball kam der BVB zu dem enorm wichtigen Heimsieg. "Es war ein ganz wichtiger Sieg. Wir haben ein Superspiel abgeliefert mit einer unglaublichen Unterstützung", sagte Kapitän Mats Hummels.

Erstmals seit Herbst 1985 stand die Borussia am Tabellenende. Deshalb hatte Klopp in den Tagen nach der 0:2-Pleite bei Eintracht Frankfurt die Partie zum "High-Noon-Spiel" erklärt. Vor der Partie war der Kult-Trainer sogar beim Friseur. Mit seiner Aufstellung sorgte er für einen Paukenschlag: Gleich vier Weltmeister waren nicht dabei.

Torhüter Roman Weidenfeller wurde durch den Australier Mitchel Langerak ersetzt; Kevin Großkreutz, Erik Durm und Matthias Ginter gehörten ebenfalls nicht zur Anfangsformation. Dafür stand Kapitän Mats Hummels nach auskurierter Bänderdehnung wieder in der Startelf und stabilisierte die Abwehr. In der Torwartfrage habe er nach "Bauchgefühl" entschieden, sagte Klopp: "Ich wollte die Frische, das Lächeln von Mitch im Tor stehen haben."

Als der Berliner Schiedsrichter Felix Zwayer anpfiff, war auch der BVB vor 80 000 Besuchern in der ausverkauften Signal-Iduna-Arena hellwach. Erstmals in dieser Saison spielte Ilkay Gündogan für den Japaner Shinji Kagawa auf der 10er-Position. Der 24-Jährige nutzte gleich den ersten durchdachten Angriff, köpfte das Leder nach Flanke von Pierre-Emerick Aubameyang zum Führungstreffer ein. An der Seitenlinie machte Klopp Freudensprünge. Es schien, als ob eine Zentnerlast von seinen Schultern gefallen war.

Sein Team hielt sich mit dem in der Vergangenheit zum Markenzeichen gewordenen Pressing zunächst zurück, verzichtet auf Risiko-Kombinationen. Die BVB-Profis versuchten es im eigenen Stadion mit Konterfußball. Die Gäste aus Hoffenheim zielten vor der Pause durch Sven Schipplock (37.) nur einmal auf das Tor von Langerak.

Nach dem Wechsel überraschte die Hoffenheimer die Hausherren. Pirmin Schwegler spazierte durch das gesamte Mittelfeld und konnte nur durch ein Foul kurz vor der Strafraumgrenze gestoppt werden. Den Freistoß von Sebastian Rudy lenkte Hummels reaktionsschnell zur Ecke. Danach war der BVB im Pech, als ein regulärer Treffer von Aubameyang (53.) wie schon bei der Niederlage in Paderborn wegen Abseits nicht gegeben wurde. Wenig später hätte der Gabuner für die Vorentscheidung sorgen können, doch er scheiterte genauso an Torhüter Oliver Baumann wie Mats Hummels (63.) nach einer Ecke. Erneut Augameyang (74.) und Gündogan (81.) vergaben weitere gute Möglichkeiten - doch die einmal mehr schwache Chancenverwertung interessierte am Ende nicht mehr.

Nach nur einem Dreipunkte-Erfolg aus den vorherigen acht Bundesliga-Spielen durfte die Borussia endlich wieder einmal jubeln.
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